Archiv für den Monat August 2018

Wirtschaftsfreundlich?!

Wirtschaft ist in ihrem Ursinn eine gemeinwohloriente Aufgabe. Es geht ihr definitionsgemäss um die Befriedigung menschlicher Bedürnisse. Dafür, dass alle ihre Grundbedürfnisse decken können, setze ich mich mit Herzblut ein! In dem Sinn bin ich Wirtschaftsfreundlich.
Einer Wirtschaft, die sich ausschliesslich am monetären Profit, auch auf Kosten anderer Menschen und der Umwelt, orientiert und darauf beschränkt, macht m. E. keinen Sinn. Ihr müssen aus humanistisch-liberaler Überzeugung politisch (d. h. orientiert am Gemeinwohl, im Sinn des gelingenden Zusammenlebens im grossen Ganzen) Grenzen gesetzt werden, weil sie sonst nämlich ihren Zweck und ihre eigene Grundlage in Frage stellt!
Um die Freiheit der Einzelnen zu sichern braucht den Schutz des Eigentums und die Sicherung der Grundbedürfnisse! Für beides braucht es Regeln. Die individuellen (Freiheits-)Rechte aller müssen geschützt werden und dürfen nicht den institutionellen Freiheitsrechten von Firmen und dem Profit einer Minderheit geopfert werden.
Gemeinwohloekonomie will von einer Art des Wirtschaftens wegzukommen, in der es nur um ein kannibalistisches Gegeneinander geht, weil das Mittel Geld zum einzigen Zweck verkommen ist. Sie schlägt einen Weg zu einer zunehmend demokratisch, fair und nachhaltig geprägten, immer noch und im besten Sinn liberalen und marktorientierten Wirtschaft vor.
Die ganzen Wirtschaftsakteure gäbe es gar nicht ohne die nicht-profitorientierte (und meist unbezahlte) „Care“-Arbeit. Der grösste Teil davon wird (mehrheitlich von Frauen) am Lebensanfang, in Familienstrukturen und am Lebensende geleistet: Ernähren, Putzen, Pflegen, Windeln wechseln… Diese „Care“-Arbeit ist m. E. im Kern Wirtschaft, weil sie nämlich gemäss der Definition von Ökonomie (=Haushalt) grundlegendste menschliche Bedürnisse befriedigt. Für eine so verstandene Wirtschaft setzt ich mich natürlich ein!
Der Verein „Wirtschaft ist Care“ setzt sich ein für die Reorganisation der Ökonomie um ihr Kerngeschäft, die Befriedigung tatsächlicher menschlicher Bedürfnisse weltweit. Ein spannender Grundlagentext dazu ist gratis herunterzuladen bei der Heinrich Böll Stiftung.

Politik fürs grosse Ganze

Bild von Roman Ambühl, Gemeinderatskandidat Cham

Roman Ambühl,  Gemeinderatskandidat Cham

Was bei uns zum Wetter wird, hat seine Ursachen in Winden und Meeresströmungen weit weg von uns. Was bei uns zur Unternehmenssteuer wird, hat seinen Ursprung möglicherweise in der Ausbeutung von Menschen und Natur irgendwo im Süden. In allem, was wir tun, sind wir eingebunden in einem grossen Ganzen. Was wir hier im Kanton Zug und unseren Gemeinden tun und nicht tun, hat Auswirkungen an ganz anderen Orten rund um den Globus. Die Konsequenzen unseres Handelns und damit unsere Verantwortung machen weder an Gemeinde-, Kantons- noch Landesgrenzen Halt.

Ich kann als politisch denkender und handelnder Mann nicht anders, als diese Verantwortlichkeit mit zu bedenken in allem, was ich tue. Darum braucht es für mich immer eine weltweite Sicht auf die Dinge. Ich gebe zu: Diese Haltung und dieses Bewusstsein ist anstrengend und stellt hohe Anforderungen an uns. Und ich fühle mich davon zeitweise auch überfordert. Das befreit mich und uns aber nicht von unserer Verantwortung.

Es gibt (leider auch in der Politik) nicht wenige, die diese grössere Verantwortung von sich weisen. Die einen durch nett verpackte Gleichgültigkeit: «Wir können (alleine) ja doch nichts tun.» Andere mit weichgespültem Egoismus: «Wichtig ist, dass wir vor allem für uns schauen.»

Hier – lokal – ist der erste Ort unseres Handelns. Unsere Sicht aber muss viel weiter sein! Die grossen Herausforderungen der Menschheit verbinden uns miteinander rund um die Welt. Die Lösung ist nur gemeinsam zu finden. Es geht darum, in weltweiter Solidarität am Gemeinwohl zu arbeiten. Möglichst vielen (visionär gesagt: allen) Menschen soll ein menschenwürdiges Leben in einer gerecht geregelten Gemeinschaft und einer möglichst intakten Natur möglich sein.

Mani Matters Text ist mir Inspiration:

dene wos guet geit
giengs besser
giengs dene besser
wos weniger guet geit
was aber nid geit
ohni dass’s dene
weniger guet geit
wos guet geit
drum geit weni
für dass es dene
besser geit
wos weniger guet geit
und drum geits o
dene nid besser
wos guet geit

Roman Ambühl, Gemeinderatskandidat KriFo Cham
Erschienen in der ZugerWoche vom 4.7.2018