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Über sinnsorger

#Theologe #Coach #Supervisor #Weiterdenker http://intervisionskarten.ch http://langhuus.ch http://mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html At Lake of Zug on Planet Earth romanambuehl.ch born at 327ppm CO2 in atmosphere am 2. Januar 1971 www.twitter.com/romanambuehl

Zeit für ein ökologisches Pfingsten

Kolumne im Pfarreiblatt des Kantons Zug 20/21 – 2021

Petrus zitiert im Pfingstbericht (Apg2) den Profeten Joel: Gott will «Geistkraft ausgiessen auf alle Welt». 

Nur so erhalten wir (auch heute wieder) einen Blick für die Zukunft: Junge Leute schauen Visionen und Alte träumen Träume. Auch die Unterdrückten werden von der Geistkraft erfüllt, so dass sie prophetisch reden. Profetinnen und Profeten sind nicht Vorhersager:innen. Sie sind Hervorsager:innen (sagte einst Prof. Ivo Meyer). Sie weisen auf wichtige und brennende Fragen hin! Sie beharren darauf: Eine andere Welt ist möglich! Wandel ist notwendig! 

Pfingsten ist das Gegenbild zum Turmbau zu Babel: Statt übermütig ohne Ende in den Himmel zu wachsen und uns Menschen selber zu vergötzen, soll uns erdverbundene Bodenständigkeit bergen auf dem alle gemeinsam tragenden Planeten. Unser Mutter-Planet verdankt sein Leben einer Kraft, die alle und alles verbindet: Liebe – auch bekannt als Gott. 

Liebe und Verbundenheit heisst (nicht nur) im Pfingstbericht: Verstanden werden – Betroffen und gemeint sein – die Sprache der anderen verstehen – das alle Verbindende wahrnehmen – eine Vision für die Zukunft haben – egal wie alt du bist – über Generationen und auch soziale Grenzen hinweg – auch über die Grenzen der Arten und Lebensformen hinweg: Verbundenheit von Menschen, Tieren, Pflanzen, der Erde, allen Elementen – allem was ist. Pfingstlich wirkende Geistkraft! 

Fastenpredigt in Klima- und Covidkrise

gehalten am 28.2.21 als Gastprediger in St. Urban Winterthur

Text: Greta Thunberg vor der UNO in New York 23.9.19

In profetischer Manier hat die 16jährige Schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg am 23. September 2019 vor der UNO in New York eine einringliche Rede gehalten. Sie hören Teile daraus:

«… Ihr habt mir mit euren leeren Worten meine Träume und meine Kindheit gestohlen. Dennoch bin ich sogar eine der Glücklichen. Denn Menschen leiden – Leute sterben – ganze Ökosysteme brechen zusammen. Wir stehen am Beginn eines Massenaussterbens und alles, worüber ihr sprechen könnt, sind „Geld“ und Märchen von „ewigem Wirtschaftswachstum“. Wie könnt ihr es wagen!

Seit mehr als 30 Jahren ist die Wissenschaft kristallklar. Wie könnt ihr es wagen, weiter wegzuschauen und zu sagen, dass ihr genug tut, solange die erforderlichen politischen Massnahmen und Lösungen nirgends in Sicht sind.

Ihr sagt, dass ihr uns hört und dass ihr die Dringlichkeit versteht. Aber egal wie traurig und wütend ich bin, ich will das nicht glauben. Denn wenn ihr die Situation wirklich verstanden und trotzdem noch nicht gehandelt hättet, wärt ihr böse und ich weigere mich das zu glauben.

Um eine 2/3 Chance zu haben, unter einem globalen Temperaturanstieg von 1,5 Grad zu bleiben, blieben der IPCC-Prognose zufolge am 1. Januar 2018 noch 420 Gigatonnen CO2 übrig. Heute sind es bereits weniger als 350 Gt. (Im Feb 2021 noch 288 Gt)

https://www.mcc-berlin.net/forschung/co2-budget.html zeigt den aktuellen Stand

Wie könnt ihr es wagen, so zu tun, als ob dies nur mit „Business as usual“ und einigen technischen Lösungen gelöst werden kann? Mit den heutigen Emissionswerten wird das verbleibende CO2-Budget innerhalb von weniger als achteinhalb Jahren vollständig aufgebraucht sein.

Es werden heute keine Lösungen oder Pläne präsentiert werden, die auf diesen Zahlen basieren, da diese Zahlen zu unangenehm sind und ihr nicht reif genug seid zu sagen, was Sache ist.

Ihr lasst uns hängen! Aber die jungen Leute beginnen euren Verrat zu verstehen. Die Augen aller künftigen Generationen sind auf euch gerichtet, und wenn ihr uns im Stich lasst, sage ich: Wir werden euch niemals vergeben.

Damit kommen ihr nicht durch. Genau hier, genau jetzt, ziehen wir die Grenze. Die Welt erwacht und es kommt ein Wandel, ob ihr es euch passt oder nicht. Danke.»

Evangelium nach Mk 8, 1-10                                                       

Christus ist mit euch… // Aus der Frohen Botschaft nach Markus…

1In jenen Tagen waren wieder einmal viele Menschen um Jesus versammelt. Da sie nichts zu essen hatten, rief er die Jünger zu sich und sagte: 2Ich habe Mitleid mit diesen Menschen; sie sind schon drei Tage bei mir und haben nichts mehr zu essen. 3Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen; denn einige von ihnen sind von weither gekommen. 4Seine Jünger antworteten ihm: Woher soll man in dieser unbewohnten Gegend Brot bekommen, um sie alle satt zu machen? 5Er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie antworteten: Sieben. 6Da forderte er die Leute auf, sich auf den Boden zu setzen. Dann nahm er die sieben Brote, sprach das Dankgebet, brach die Brote und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen; und die Jünger teilten sie an die Leute aus. 7Sie hatten auch noch ein paar Fische bei sich. Jesus segnete sie und liess auch sie austeilen. 8Die Leute assen und wurden satt. Dann sammelte man die übrig gebliebenen Brotstücke ein, sieben Körbe voll. 9Es waren etwa viertausend Menschen beisammen. Danach schickte er sie nach Hause.

Predigt mit grüner Lockenperücke und roter Nase

Ich wirke echli sonderbar
mit grüene Chrusle, roter Nase
denn d’Fasnacht isch verbii das Jahr,
mir sind scho i de Faschte-Phase.
Aber Chind und Narre dörfed gläge
oder ungläge Wahrete säge.

Fäscht-Luune stellt sich nid rächt ii.
Denn immer no isch Pandemie.
Wie chasch di Schütze? –
Und was tued nütze? –
„Abstand halte!“, „Wäsch der d’Händ!“,
„Bliib dehei i diine vier Wänd!“
Sobald’s gnueg hed, denn: „Maske uf!“
Au wenn’s der echli nimmt vom Schnuuf.

All üebed ganz neu kommuniziere,
tüend über Video mitenand parliere.
„Zoom“ und „Teams“ und „Jitsi“
sind das Johr de Hit gsi.
Mit Youtube und Netflix im Duell
gid’s sogar Gottesdienscht hür virtuell.

Mir fiired hüt do im Vertraue,
das en Gottesdiescht cha ufbaue.
Und mer grad i riise Kriise
d‘Hoffnig üs nid lönd vermiise.

Glaube, Hoffnig, Liebi bruucht’s, –
und en riise Huufe Muet,
will’s eim scho chli zämestuucht
wenn mer häreluege tuet,
was i dere Wält so gohd –
wie’s um de Planet so stohd.

Und guet häreluege muesch de scho
wenn zu Lösige willsch cho.
Lose uf die, wo d’Sach verstönd,
forschend de Spure nochegönd.
Und statt ne no Dräck azrüere,
aapacke, muetig durefüere!

Hoffnig wachst nur usem Handle.
Mitenand lohd d’Wält sich wandle.
Pfarrei versuecht z’verbinde:
Manne, Fraue, Greise, Chinde.
Für das stönd mir als Chile ii –
2000 Johr und wiiterhii!

Mir mached das i de Tradition
vo dem, womer nänned Gottes Sohn,
Jesus, de vo Nazareth.
Er hed zu de Mänsche gredt,
hed si ufgrichtet und gheilt,
Wii und Brot mit ihne teilt.
So he er d’Mänsche Gott lo gspüre
Drum hed ne jede welle ghöre.

Viill Mänsche sind Jesus nachegange,
zum zu befreiende Iisichte z’glange.
Si hend so lang zueglost mit so vill Inträsse,
dass si debii grad hend s’Ässe vergässe.
Nur – wiit ewegg vo jedere Stadt,
wie bringsch paar tuusig Mänsche satt?

Jesus hed grad Mitleid gha,
will niemer setti Hunger ha.
Er frogt all: «Was hender da?»
Vill hend chli öppis füre gnoh.

Da und det es Stückli Brot
taucht uf und denn au no chli Fisch.
So hälfed alli mit – gäg d’Not –
wo plötzlich nümme ume isch.
Meh als gnueg isch nämlich da.
Sibe Chörb hend’s förig gha.

S’hed wältwiit gnueg uf jede Fall,
wenn mer’s grächt verteilt uf all.

D’Ressource vo de schöne Erde
dörfed nümm vergüüdet werde,
das mir im sogenannte Weschte
uf villne andere iri Chöschte
mit dicke, schwere EssJuWii
dräckig underwägs chönd sii.

Oder so vill Rind grilliered
und de Urwald dezimiered
ohni Tier und Mänsche z’schone,
will gmäschtet wird mit Sojabohne.

Für die hed mer en eigni Wält,
wo im Gliichgwicht funktioniert
vor allem wägem schnöde Gäld
eifach grausam abrasiert.

Abholze chund no weniger tüür,
wenn’s erledige tuesch mit Füür
und en eifach abebrännsch,
de Läbesruum vo Tier und Mänsch.

Unersetzbar isch de Schatz!
Doch Orang Utan hend kei Platz,
wo Palmplantage jetzt neu spriessid
und fetti Provisione grüessid.

«Wenn mir devo chönd profitiere,
tüemers gern mit finanziere.»
Me seid, es regieri ja scho d’Wält –
Aber (fr)ässe chasch es nid, dis Gäld!

Und drüberus – ha n’i s’erwähnt?
– warned sit es paar Jahrzähnt
Wüsseschaftler immer meh,
s’isch würklich nümme z‘überseh:
„Notstand!“ und zwar planetar!

Das isch gar nid wunderbar,
wenn üfhörsch Fakte z’ignoriere
und dich demit lohsch konfrontiere:
Klimakriise, Artesterbe
Verluscht vo Läbesrüüm uf Erde.

D‘Villfalt schmilzt vo Tier und Pflanze.
so wie s’Iis uf Pol und Berge
hert bedroht isch s’grosse Ganze
und mir fühled eus wie Zwerge.

So komplex und gross isch d‘Ufgab
das ich nöch bi a de Ussag:
«Am liebschte miechi d’Auge zue
Säiti: Chum, gib ändlich Rueh!»

En zweite Planet hemmer e keine.
Läbe für üs gid‘s nur uf dem eine.
ALLI müend jetzt aktiv werde
für de Planet, üsi Mueter Erde!
Hoffnig schöpfe usem Handle,
und so d’Wält zum Guete wandle.

Für Kriise-Bewältigung und Pandemie‘e
gids nid EI Lösig mit Garantie’e.

Uf jede Fall isch super wichtig,
das mer ZÄME schaffet richtig.
Solidarisch mitenand
packed aa mit starcher Hand!

Das gohd nur mit Verbundeheit,
Liebi, wie mer dem au seid.
Für das bruucht’s alli mitenand.
Nid nur, aber au DAS chliine Land.

Aafoh chömmer JETZT und DO:
S’nächst mol z’Fuess go poschte goh.
Fröhlich mit em Velo fahre.
S’Auto öfters mol lo stoh.
Sich die nächschti Flugreis spare.
I de Schwiiz i d’Ferie goh.

Und will du mittlerwiile weisch,
dass vor allem Milch und Fleisch
z’vill CO2 tüend produziere
tuesch Tierprodukt fescht reduziere!
Ich säge’s eifach grad nomal:
iss pflanzlich, bio und lokal!

Bi jedem Chauf frag ICH ganz still:
«Bruch ich das?», «Isch‘s was ich will?»

Wemmer d’Kurve no wänd schaffe
statt wiiterhin wie tummi Affe
saage chräftig a dem Ascht
wo treid i d‘Zuekunft ÜSI Lascht,
bruchts jetzt en Stopp und tüfi Bsinnig
will «Wiiter so!» isch nur wahnsinnig!

Doch Neu-Usrichtig die brucht Muet
will s‘ Gwohnte loszlah, weh eus tuet.
Gmeinsam dörfe Fehler mache,
und di andere nid uslache,
sondern möglichscht vill drus lehre
au wemmer sich chönnt d’Haar uuszehre,
das mer nid stärcher und nid früener
ghandlet hed mit Konsequenz
sondern meh wie blindi Hüener
ums goldige Chalb ufgfüert hed Tänz.

Veränderig heisst Fähler zuegäh,
sälber au in Spiegel z’luegä.
Anderne und sich z’vergäh,
zum en Schritt i d’Zuekunft znäh,
Klimagrächtigkeit aazgah.
Zu dem regt d’Faschteziit üs aa.

Es lockt en Wält wo’s drum wird gah,
das es alli guet chönd ha.
Wo jede hed, was er und sie
zum Läbe brucht und das bedütet
en Überläbensgarantie
wo nid Natur und Wält usbütet!

D‘ Mänsche, als en Teil vom Ganze,
lueged guet zu Tier und Pflanze,
will s’wüssed, das all mitenand
abhängig sind vonenand.

I dem Wandel müemer lehre,
statt uf Profit und Karriere,
z‘achte meh uf d’Barriere,
vo Natur und Ökosphäre!

Mir müend Gränze respektiere,
wämmer sicher navigiere
ohni z‘kippe usem Gleis
und z’lande imne Huufe Scheiss.

D’Natur zeigt üs, wie’s chönnti goh.
Hed ewig lang es Gliichgwicht gha.
In Chreisläuf tued si funktioniere.
Drum müend au mir echli studiere.
Endlich für eus ganz neu lehre,
das mer Gwüsses nümm cha chere.

Wenn’s Glas kippt und abegheit,
isch es definitiv zerleit.
Au fürs Klima giltet s’Gliiche:
Wenn mir Tierarte tüend striiche
usem Buech vo de Natur –
gids irgendwenn e keis Retour.

Drum mues dringend Wandel gscheh.
Ei Vision und en Idee,
wie das chönnti möglich sii,
beschriibt Doughnut Ökonomie:

S’Ziil isch nümme: «Immer meh!»
Mir seled s’grosse Ganze gseh.
Pflege tüemer s’Mitenand.
Di ganzi Wält und jedes Land.
Villfalt stärche, Netzwärch boue,
Gmeinwohl schaffe, ‘nand vertroue.
So dass all chönd glücklich werde
uf ere intakte Erde.

Wär das nid es Wunder,
wenn niemer giengti under?
Drum: Üebemer das mitenand
und träged‘s use wiit is Land.

Für jede Schritt sägemer luut: «Danke»!
Er gid üs Hoffnig gäge s’Wanke,
schänkt allne Muet, wo mit üs handled,
dass sich d’Wält zum Guete wandled.
Amen

Meinungsäusserungsfreiheit und Klimanotstand

«Klimalügner» berufen sich oft auf die Meinungsfreiheit. Die Meinungssäusserungsfreiheit dient der Wahrheitsfindung. Im «Streit der Meinungen» geht es um Fakten und Argumente. Es geht darum zu einer gemeinsamen Meinung, dem Konsens, zu kommen. Etwas wird aus möglichst vielfältiger Perspektive betrachtet. So kann entschieden werden, was gilt und was zu tun ist. So funktioniert auch Wissenschaft. Im Bezug auf die Frage, ob die Klimaüberhitzung vom Menschen verursacht ist, hat die wissenschaftliche Diskussion der letzten Jahrzehnte einen Konsens ergeben. 97% der Beteiligten tragen diesen!

Er wird im Auftrag der Uno seit 1988 vom IPCC erarbeitet, nach klar definierten Regeln, die Unabhängigkeit und Faktenorientiertheit garantieren. Auf www.ipcc.ch findet sich davon u. a. auch eine sehr gut zugängliche Aufarbeitung (nicht nur) für Lehrpersonen, die mit einfachen Worten und Grafiken (Englisch) diese Erkenntnisse zugänglich macht. http://bit.ly/ipcc4school

BIld Wie "funktioniert" der Treibhauseffekt

Wie „funktioniert“ der Treibhauseffekt?

Die vom Menschen verursachte Klimaüberhitzung ist eine Tatsache. Das Pariser Klimaabkommen, das global unterzeichnet worden ist und getragen wird, orientiert sich am wissenschaftlichen Konsens des IPCC: Der menschengemachte CO2 Ausstoss muss massiv reduziert und auf Null gesetzt werden! Nur so ist das Ziel realistisch, eine maximale Temperaturerhöhung von unter 2°C zu erreichen und sogar möglichst nahe an 1,5°C zu kommen. Unser CO2Budget, das was wir noch ausstossen dürfen, reicht gemäss IPCC im Blick auf das Zwei-Grad-Ziel nur noch 26 Jahre, für 1,5 Grad sogar nur noch neun Jahre! IPCC sagt, auch eine globale Erwärmung um 1,5°C hätte «signifikante Risiken und Auswirkungen», aber sie wären «substantiell geringer» als bei +2°C.

Das Handeln der Einzelnen ist da wichtig, stösst aber schnell an strukturelle Grenzen. Darum ist auch schnelles und entschiedenes Handeln auf politischer Ebene gefordert! Der im Zuger Kantonsrat postulierte «Klimanotstand» setzt ein Signal, JETZT tätig zu werden.

Bildquelle: IPCC Special Report Global Warming of 1.5°C Summary for Teachers
Hier zu finden: http://bit.ly/ipcc4school

 

 

 

Selbstbestimmung ist nie absolute Freiheit

Die SBI der SVP verspricht Selbstbestimmung – absolute Selbstbestimmung. Schön wär’s! Das könnte man im ersten Augenblick denken. Wer weiterdenkt, merkt bald, dass einem hier Sand in die Augen gestreut wird. Selbstbestimmung ist es immer nur für eine Mehrheit. DIE Mehrheit, die die SVP unter dem Namen VOLCH hinter sich zu wissen glaubt.
Die Stärke der Schweiz zeigt sich, laut der Präambel ihrer Verfassung, «am Wohl der Schwachen». Genau diesen Grundsatz stellt die SBI der SVP mit ihrem «alle Macht dem Volk und der Mehrheit» in Frage. Die Verfassungsgebenden hatten vor 150 Jahren und in der Revision 1999 bewusst und gezielt ein ausgeklügeltes System geschaffen, das die verschiedenen Gewalten (Gesetzgebung, Ausführende Gewalt, Gerichte), aber auch die Interessen der Stände (Kantone) und der Volksmehrheit sinnvoll auszugleichen versucht. Das Ergebnis nannte man bis vor ein paar Jahren dann «guteidgenössischen Kompromiss».
Diese ausgleichenden Mechanismen dienen auch dem verfassungsmässig geforderten Schutz der Schwachen und Minderheiten. Im blinden Eifer für scheinbare Selbstbestimmung werden diese auf dem Altar des sozialdarwinistischen Rechts des Stärkeren geopfert. Darum kann es nur ein deutliches NEIN zur SBI geben!
(Leserbrief, eingesandt 13.11.18)

Leider nein!

Für die Wahl zum Gemeinderat haben mir 1400 Stimmen leider nicht gereicht.

wahlresultatAllen, die mich auf dem Weg dazu unterstützt haben sei auch auf diesem Weg nochmal herzlich gedankt! Danke auch für viele aufmunternde Zeichen danach.

Herzliche Gratulation allen Gewählten, besonders Drin Alaj!
Links ist wieder „Drin“ im Chamer Gemeinderat!

Es gibt viel zu tun!
TA: Ein halbes Grad mehr kann zu viel sein!

Wirtschaftsfreundlich?!

Wirtschaft ist in ihrem Ursinn eine gemeinwohloriente Aufgabe. Es geht ihr definitionsgemäss um die Befriedigung menschlicher Bedürnisse. Dafür, dass alle ihre Grundbedürfnisse decken können, setze ich mich mit Herzblut ein! In dem Sinn bin ich Wirtschaftsfreundlich.
Einer Wirtschaft, die sich ausschliesslich am monetären Profit, auch auf Kosten anderer Menschen und der Umwelt, orientiert und darauf beschränkt, macht m. E. keinen Sinn. Ihr müssen aus humanistisch-liberaler Überzeugung politisch (d. h. orientiert am Gemeinwohl, im Sinn des gelingenden Zusammenlebens im grossen Ganzen) Grenzen gesetzt werden, weil sie sonst nämlich ihren Zweck und ihre eigene Grundlage in Frage stellt!
Um die Freiheit der Einzelnen zu sichern braucht den Schutz des Eigentums und die Sicherung der Grundbedürfnisse! Für beides braucht es Regeln. Die individuellen (Freiheits-)Rechte aller müssen geschützt werden und dürfen nicht den institutionellen Freiheitsrechten von Firmen und dem Profit einer Minderheit geopfert werden.
Gemeinwohloekonomie will von einer Art des Wirtschaftens wegzukommen, in der es nur um ein kannibalistisches Gegeneinander geht, weil das Mittel Geld zum einzigen Zweck verkommen ist. Sie schlägt einen Weg zu einer zunehmend demokratisch, fair und nachhaltig geprägten, immer noch und im besten Sinn liberalen und marktorientierten Wirtschaft vor.
Die ganzen Wirtschaftsakteure gäbe es gar nicht ohne die nicht-profitorientierte (und meist unbezahlte) „Care“-Arbeit. Der grösste Teil davon wird (mehrheitlich von Frauen) am Lebensanfang, in Familienstrukturen und am Lebensende geleistet: Ernähren, Putzen, Pflegen, Windeln wechseln… Diese „Care“-Arbeit ist m. E. im Kern Wirtschaft, weil sie nämlich gemäss der Definition von Ökonomie (=Haushalt) grundlegendste menschliche Bedürnisse befriedigt. Für eine so verstandene Wirtschaft setzt ich mich natürlich ein!
Der Verein „Wirtschaft ist Care“ setzt sich ein für die Reorganisation der Ökonomie um ihr Kerngeschäft, die Befriedigung tatsächlicher menschlicher Bedürfnisse weltweit. Ein spannender Grundlagentext dazu ist gratis herunterzuladen bei der Heinrich Böll Stiftung.

Politik fürs grosse Ganze

Bild von Roman Ambühl, Gemeinderatskandidat Cham

Roman Ambühl,  Gemeinderatskandidat Cham

Was bei uns zum Wetter wird, hat seine Ursachen in Winden und Meeresströmungen weit weg von uns. Was bei uns zur Unternehmenssteuer wird, hat seinen Ursprung möglicherweise in der Ausbeutung von Menschen und Natur irgendwo im Süden. In allem, was wir tun, sind wir eingebunden in einem grossen Ganzen. Was wir hier im Kanton Zug und unseren Gemeinden tun und nicht tun, hat Auswirkungen an ganz anderen Orten rund um den Globus. Die Konsequenzen unseres Handelns und damit unsere Verantwortung machen weder an Gemeinde-, Kantons- noch Landesgrenzen Halt.

Ich kann als politisch denkender und handelnder Mann nicht anders, als diese Verantwortlichkeit mit zu bedenken in allem, was ich tue. Darum braucht es für mich immer eine weltweite Sicht auf die Dinge. Ich gebe zu: Diese Haltung und dieses Bewusstsein ist anstrengend und stellt hohe Anforderungen an uns. Und ich fühle mich davon zeitweise auch überfordert. Das befreit mich und uns aber nicht von unserer Verantwortung.

Es gibt (leider auch in der Politik) nicht wenige, die diese grössere Verantwortung von sich weisen. Die einen durch nett verpackte Gleichgültigkeit: «Wir können (alleine) ja doch nichts tun.» Andere mit weichgespültem Egoismus: «Wichtig ist, dass wir vor allem für uns schauen.»

Hier – lokal – ist der erste Ort unseres Handelns. Unsere Sicht aber muss viel weiter sein! Die grossen Herausforderungen der Menschheit verbinden uns miteinander rund um die Welt. Die Lösung ist nur gemeinsam zu finden. Es geht darum, in weltweiter Solidarität am Gemeinwohl zu arbeiten. Möglichst vielen (visionär gesagt: allen) Menschen soll ein menschenwürdiges Leben in einer gerecht geregelten Gemeinschaft und einer möglichst intakten Natur möglich sein.

Mani Matters Text ist mir Inspiration:

dene wos guet geit
giengs besser
giengs dene besser
wos weniger guet geit
was aber nid geit
ohni dass’s dene
weniger guet geit
wos guet geit
drum geit weni
für dass es dene
besser geit
wos weniger guet geit
und drum geits o
dene nid besser
wos guet geit

Roman Ambühl, Gemeinderatskandidat KriFo Cham
Erschienen in der ZugerWoche vom 4.7.2018

Islam – Westen – Religion – Kultur

Lieber NN
Wie du weisst, bin ich katholischer Theologe (katholisch heisst wörtlich: das Ganze umfassend). Mich interessiert, was andere für eine Religion ausüben und v. a. wie sie das tun! In der Religion geht es m. E. um etwas Grösseres, als um Rituale und Bräuche. Es geht den Religionen um das Transzendente (das Überschreitende und Grenzen Überwindende) und um das, was die Welt im Innersten Zusammenhält, um das, was uns auf diesem blauen Planeten im unendlichen Universum verbindet. Wir Theologen nennen das in deutscher Sprache «Gott». Ich weiss darum, dass jeder Mensch, auch ich, nur eine begrenzte Perspektive hat. Darum bin ich froh um den Dialog und den Austausch mit andersdenkenden und -glaubenden Menschen. Hier kann ich dank anderer Perspektiven dazulernen!

Jede Religion hat auch das Bewahrende und Abgrenzende in sich. Das kennen wir in der römisch-katholischen und christlichen Tradition leider auch nur allzu gut. Voraufklärerisch waren wir und sind auch heute gewisse Gruppen aus «unserer» Religion alles andere als «friedlich», wie du es forderst.

Es geht also darum zu differenzieren! Und ich würde dein Differenz-Kriterium «friedlich» sogar gerne umformulieren in ein aktiveres «friedensfördernd»!

Eine Einteilung in WIR und die (bösen) ANDEREN ist hierzu nicht hilfreich um nicht zu sagen «friedensgefährdend».
Auch das reine «Ursache und Wirkung» ist als physikalisches Konzept nicht so einfach auf Soziales zu übertragen. Es ist ein überholtes und zu lineares Konzept, das am Ende nur der definitiven Schuldzuweisung an eine Seite dient. Also ist es leider als Konzept schon «friedensgefährdend».
Wir sind Teil eines komplexen Systems von Wechselwirkungen. Schwarz-Weiss-Weltbilder sind überholt. Es ist etwas komplizierter, als wir es gerne hätten. Und es ist anstrengend.

Die Konstruktion eines unvereinbaren Gegensatzes zwischen Islam und sogenannt westlicher Kultur ist (auch historisch) unhaltbar. Die westliche Kultur baut u. a. auf den vom Islam überlieferten und weiterentwickelten Erkenntnissen der antiken Philosophie und Mathematik auf. «Huch, unsere Zahlen sind arabisch!» 😉

Das Verhältnis zwischen den Kulturen in unserer Gesellschaft ist volatil und ständig im Wandel. Spaghetti gehören noch nicht lange auf den typisch schweizerischen Speisezettel. Dönerbuden gibt’s noch keine 20 Jahre in der Schweiz. Viele Zugewanderte mit muslimischem Hintergrund im Westen haben sich teilweise assimiliert. Gleichzeitig haben sie zur Wahrung einer Identität in der Fremde kulturelle Gepflogenheiten aus ihren Ursprungsländern behalten. So wie Schweizer_innen im Ausland Jodelclubs und Schiessvereine gründen. Bei uns sind viele dieser kulturellen Bräuche als «Islam» kategorisiert. Sie sind so wenig «Islam», wie der Coca-Cola Santa Claus, der Osterhase, Jodeln und Schwingen «Christentum» ist. Dieses undifferenzierte Verpampen von Religion und Kultur ist die Basis eines gefährlichen Konstrukts: der «unvereinbare Gegensatz zwischen Islam und Westlicher Kultur».

Interessanterweise ist dieser konstruierte unvereinbare Gegensatz Islam-Westen aber genau der Punkt, in dem sich rechte Stammtischpolterer und der IS einig sind. Eine undifferenzierte Sicht des Islam und eine «Sippenhaft» für Muslime spielt den islamistischen Kräften in die Hände, die genau dieses Bild brauchen, um labile und verunsicherte junge Männer (und wenige Frauen) zu radikalisieren und zu Terroristen zu machen. Wer giesst wo Öl ins Feuer?

Wir sind Menschen. Wir haben je unseren Glauben (oder unsere Grundüberzeugung). Wir sind darauf angewiesen, unser gemeinsames Leben und das Leben dieses Planeten für die Zukunft irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Das ist anstrengend. Das braucht differenzierende Denkarbeit. Das braucht auch innere Überwindung von unreflektierten Vorurteilen.

Ja es gibt Menschen, denen macht die Welt von heute Angst. Es gibt dann diejenigen, die davon reden, «dass diese Ängste ernst genommen werden müssen.» (v. a. im Blick auf Fremde, weniger im Blick auf die sich anbahnende Klimakatastrophe oder soziale Ungerechtigkeit) Was sie dann aber tun und sagen, ist etwa so, wie wenn einem Kind, das sich vor dem dunklen Keller fürchtet, gesagt würde: «Ja, du hast recht, der dunkle Keller ist sehr gefährlich. Man weiss wirklich nie, wie viele Monster es im dunklen Keller hat. Am besten wir schiessen mit einer Pistole einfach ein paar Mal ins dunkle, dann geht es uns besser.» Ziemlich sicher würde es mehr Sinn ergeben, erst mal das Licht anzuzünden und genau hinzuschauen. Genau abzuwägen, wie die Situation denn aussieht woher die Angst denn kommt und wieviel sie wirklich mit dem dunklen Keller zu tun hat.

Es ist billig und pervers, die Verunsicherten und diejenigen, die sich vor dem abgehängt Werden ängstigen, gegen noch Schwächere, wie Fremde und Geflüchtete aufzuhetzen. Das ist billige Sündenbockpolitik. Als christlicher Theologe muss ich gerade dagegen klar Stellung beziehen. Denn der Tod Jesu ist die Zuspitzung der Perversion dessen, was mit Sündenböcken erreicht wird. Am Ende ist es der unschuldige Profet der göttlichen Liebe und Versöhnung, der an der Bosheit der Menschen am Kreuz verreckt! – Und auferweckt wird! Darin und schon im Leben Jesu und seinem Umgang mit den ausgestossenen Menschen um ihn herum (Huren, Kollaborateuere (Zöllner), Behinderte etc.) zeigt sich ein Gott, der über alle Tode hinaus an seiner verbindenden und Grenzen überwindenden Kraft – Liebe – festhält!

Blickrichtung

Wir feiern Himmelfahrt. Am Ende des Markusevangeliums und am Beginn der Apostelgeschichte heisst es: Jesus wurde „in den Himmel aufgenommen“. Das ist nicht als Orts- sondern als Qualitätsangabe zu verstehen. Nicht wo er lebt, wird gesagt, sondern auf welche Art und Weise. Er ist bei Gott, im grösseren Zusammenhang des göttlichen Bereichs, eben im Himmel, zu Hause.

Nun sagt aber der Engel: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?!“ Wir werden zu einem Perspektivenwechsel aufgefordert. Jesus ist nicht mehr da wie vorher. Seine Freunde sind herausgefordert ohne ihn zurecht zu kommen. Wir als „Hinterbliebene“ sollen nicht nur fasziniert auf ihn starren und unsere Hoffnung nicht mehr auf den heiligen Übermenschen zu projizieren.

Das Bild von Himmelfahrt lädt uns ein, uns von unseren Abhängigkeiten und Gurus zu lösen. Wir müssen Jesus in unserem inneren Osterdrama ganz bewusst sterben lassen. Wir verlieren dadurch zwar (scheinbare) Sicherheit. Im Zuspruch der Geistkraft (an Pfingsten), durch die Gott in uns wirken will, gewinnen wir dafür eine Freiheit, die – auch durch uns – neues Leben möglich macht. Uns wird zugetraut, auf eigenen Füssen zu stehen! Gott ist und bleibt auf (immer) neue Art präsent!

Auffahrt fordert uns heraus Jesus loszulassen, uns neu einzulassen auf den auferstandenen Christus und bewegt von pfingstlicher Geistkraft selber in der Welt Verantwortung für seine Vision zu übernehmen.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 21-22/17