Archiv der Kategorie: Pfarreiblatt-Kolumnen

Wir teilen die Luft zum Atmen!

Das Wort Jahwe, der heilige jüdische Namen für Gott, bedeutet ‚Ich bin’. Im jüdischen Volk durfte er nicht ausgesprochen werden, er war buchstäblich unaussprechlich… Die für das Wort Jahwe verwendeten Konsonanten (JHWH) gestatten es nicht , beim Sprechen die Lippen zu schliessen oder die Zunge zu benutzen. Der heilige Name Jahwe ist also ein Versuch, das Geräusch des Ein- und Ausatmens nachzuahmen  und wiederzugeben!
Im Kanton Zug gibt es seit 2008 das Forum der Religionen. Es wird getragen von den Landeskirchen und lädt zum Dialog ein, indem jedes Jahr ein bis zwei öffentliche interreligiöse Veranstaltungen organisiert werden.Jeweils Anfang November findet die Woche der Religionen statt. Am 6. November laden wir in ihrem Rahmen um 20.00 Uhr in der Reformierten Kirche in Zug zusammen mit der CityKircheZug ein zur «Feier der Religionen». Angelehnt an den Zyklus zu den vier Elementen der Katholischen Kirche an der Zuger Messe geht es dieses Jahr auch bei uns um das Thema «Luft».

Mich inspiriert dabei die Geschichte, die Richard Rohr in seinem neuesten Buch «Entscheidend ist das UND: Kontem­plativ leben UND engagiert handeln» erzählt (ab S. 49):

«Ich (lernte) von … einem jüdischen Naturwissenschaftler, der zu gleich Rabbi ist, etwas, das mir während meines ganzen Studiums der hebräischen Heiligen Schrift entgangen war. Das Wort Jahwe, der heilige jüdische Namen für Gott, bedeutet ‚Ich bin’. Im jüdischen Volk durfte er nicht ausgesprochen werden, er war buchstäblich unaussprechlich… Der jüdische Naturwissenschaftler wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die für das Wort Jahwe verwendeten Konsonanten (JHWH) es nicht gestatten, beim Sprechen die Lippen zu schliessen oder die Zunge zu benutzen. Der heilige Name Jahwe ist also ein Versuch, das Geräusch des Ein- und Ausatmens nachzuahmen  und wiederzugeben!

Vielen Zuhörern kamen die Tränen, als er fortfuhr und ihnen die Augen dafür öffnete, was die grossen Meditationslehrer schon immer betonen: Gott kann in keinerlei Form von Wörtern gefasst werden, die wir im Griff hätten, oder mit Vorstellungen, die wir formulieren könnten. Gott ist vielmehr wie die Luft, der Atem, der Geist vor unserem Mund… Luft. Atem, Wind und Geist sind immer über uns hinaus und dennoch völlig um uns, in uns und jenseits von uns. Wir haben alle gleichermassen daran Anteil. Wir alle atmen die gleiche Luft und dennoch empfängt sie jede und jeder von uns ganz persönlich.

Es gibt keine speziell afrikanische oder amerikanische Art zu atmen. Hindus und Christen atmen die gleiche Luft. Diese Erkenntnis verändert das gesamte Gebetsleben und die Fähigkeit, für Gott präsent zu sein.»

Spüren Sie einfach einmal mit diesem Gedanken für eine Minute Ihren Atem…

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 12-45

Ich will katholisch glauben!

«Das Wort katholisch stammt von griechisch katholikós (aus katá um… willen und hólon das Ganze) ab und bedeutet ‚das Ganze betreffend‘, ‚allgemein‘.» So steht es in der Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Mit David Steindl-Rast in seinem Buch «Credo» gehe ich einig, dass es heute darum geht, in ein «wahrhaft katholisches – allumfassendes – Glaubensverständnis» hinauszutreten. Dieses lässt sich durch keine Wortklaubereien und Kirchenmauern einschränken.

Glaube – das was mich im Leben trägt – ist zu unterscheiden von der Konfession – dem was ich konkret und ausdrücklich in historisch bedingter Weise formuliert zu glauben bekenne. Meinen Glauben verstehe ich in dem Sinn katholisch, als er sich am Anspruch zu messen hat, in seinem Kern jedem Menschen grundsätzlich zugänglich zu sein.

Ich glaube, es geht darum, eine andere Sichtweise auf die Welt zu pflegen, die Gott, Sinn, das Leben mittendrin im Erlebten, Erfahrenen und Gewussten entdeckt. Über diese Erfahrung können wir in den Austausch kommen, sie steht grundsätzlich allen Menschen offen (ist katholisch). In ihr sind wir einander verbunden.

Was wir der Erfahrung für eine Be-Deutung geben hängt von unserer Geschichte, unserem kulturellen und familiären Hintergrund ab. Als Christ deute ich die Erfahrungen in meinem Leben mit Blick auf das Leben von Jesus von Nazareth und auf dem Hintergrund der Christuserfahrung in dem, was wir seine Auferstehung nennen. Dort, so glaube und darauf vertraue ich, ist mittendrin im Leben Gott als Kraftquelle, Ursprung und Sinngeber des Lebens spürbar und erfahrbar -.

Heute gibt es je länger je mehr Menschen, denen diese Deutung aus unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) zugänglich ist.
Darum ist es für mich so zentral, nicht an den traditionell interpretierenden Worten hängen zu bleiben. Vielmehr geht es darum, im Dialog mit den Menschen gemeinsam auf die Erfahrungen hinter der Deutung zurück zu gehen. Dort finden wir einen gemeinsamen, allgemeinen – eben «katholischen» – Grund und Boden uns zu verständigen – und im besten Fall auch Grund zum Glauben.

Glauben ist so keine Hilfskonstruktion, die dort zum Zuge kommt, wo das Wissen nicht mehr weiter hilft. Denn das würde ja bedeuten, je mehr wir wissen, umso kleiner wird Gott. Gott ist nicht etwas, woran ich gegen alle Vernunft glauben muss, sondern woran sich aus guten Gründen zu glauben und worauf sich zu vertrauen «lohnt».

Pfarreiblatt Zug Kolumne 12-37

Nebensache?

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Die Fussball-EM läuft. Mit mehr oder weniger Begeisterung und Anteilnahme, sind wir Schweizer/innen dabei. Fussball wird oft als «die wichtigste Nebensache der Welt» bezeichnet.

Wenn Fussball Nebensache ist, was ist dann die Hauptsache? Was sind Ihre Haupt und Nebensachen? Und – wie viel Hauptsächliches ist vielleicht auch im scheinbar Nebensächlichen zu finden? Ich denke, der Frage lohnt sich nachzugehen, gerade auch wenn wir an die ganz alltäglichen scheinbar nebensächlichen Bilder in den Gleichnissen Jesu denken.

Sätze wie: «Der Ball ist rund.» – «Ein Spiel dauert 90 Minuten.» – «Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.» können wir als Plattitüden abtun, aber auch als grundlegende Lebensschule verstehen: Sie können uns zeigen, dass es oft darum geht Grenzen und Regeln wahr und ernst zu nehmen, Gegebenheiten und Fakten zu akzeptieren. Denn wenn wir das tun, dann wird auf diesem abgesteckten Spielfeld kreatives freies Spiel erst möglich.

Dort, wo es einem Trainer gelingt, kann einem bewusst werden, was es heisst, ein gut funktionierendes Team zu formen: Die besonderen individuellen Fähigkeiten von Ausnahmekönnerinnen und die vielen Unterschiedlichkeiten von «Durchschnittsspielern» in den Dienst der Gruppe und der gemeinsamen Sache zu stellen. So kann der Wert des Engagements für ein Team und sein gemeinsames Ziel aufscheinen.

Wo gelingt es uns denn als Kirche und Pfarrei, wirkliche Teams zu bilden? Wo gelingt es uns, dass jede/r die eigenen individuellen Stärken im Dienst an der Sache Jesu einbringen und leben kann?
Wo das glückt, da ermöglichen wir gelingendes Leben. Und da wären wir meiner Meinung nach im Blick auf das, was Kirche und Christ/in Sein soll, bei der Hauptsache!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 12-26

Christsein heisst Menschsein

Manchmal begegnen mir Zitate, die sich anfühlen wie ein Ankommen zu Hause. Mehr als einmal habe ich das bei Texten von Dietrich Bonhoeffer erfahren.«Christsein heisst nicht, in einer bestimmten Weise religiös sein, auf Grund einer inneren Methodik etwas aus sich machen, sondern es heisst: Menschsein.»

Bonhoeffer stellt das Menschsein ins Zentrum. So legt er die Betonung auf das gemeinsam Verbindende und nicht das unterscheidend Abgrenzende des Christlichen gegenüber den (anderen) Menschen, Religionen und der Welt.

Damit nimmt er einen wesentlichen Kern des christlichen Bekenntnisses kompromisslos ernst: Gott wird Mensch in seiner Welt. In der Welt ist auch der Ort des Wirkens von Christinnen und Christen.

«Das Christliche ist ja nicht Selbstzweck, sondern es besteht darin, dass der Mensch als Mensch vor Gott leben darf und soll.»

Somit hat auch Kirche keinen Selbstzweck: Sie steht im Dienst dieses biblisch-christlichen Erbes, mit einander und für einander Mensch zu sein in der Welt und sich für das Menschsein-Können aller in der Welt einzusetzen!

In schöpferischer Mitverantwortung können und sollen wir unsere Gestaltungskraft «freudig und heiter » in der Welt im Dienst am Leben und an der Lebendigkeit zum Tragen bringen!

Das heisst für mich Menschsein.

Das heisst für mich Christsein.

Nicht mehr und nicht weniger.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 12-12

Einheit und Eindeutigkeit

Vom 18.-25. Januar 2012 sind wir aufgefordert für die Einheit der Christ/innen zu beten.Einheit wird von vielen Leuten oft mit Einheitlichkeit und Eindeutigkeit gleichgesetzt. Die christlich-theologische Tradition hat mit dem Bild von der Trinität (Dreieinigkeit) und mit der Entscheidung für vier und nicht für ein einziges Evangelium ein starkes Zeichen für Vielfalt als wichtiges christliches Konzept gesetzt.

An einen dreieinen Gott glauben heisst, darauf vertrauen, dass Gott EINER bleibt, auch wenn wir uns verschiedene Bilder von ihm machen. Es heisst, darauf vertrauen, dass die Welt EINE bleibt, auch wenn es verschiedene Deutungen von ihr gibt.

Denn Bedeutung gibt es nicht per se. Be-Deutung wird gegeben. Unsere Wahrnehmung ist nach den Erkenntnissen der  Hirnforschung und der Kommunikationpsychologie vielmehr eine «Wahrgebung» (Gunther Schmidt). D. h. wie wir die so genannte Wirklichkeit beschreiben hängt nicht nur von dem ab, was „aussen“ passiert. Wie wir die Welt beschreiben wird wesentlich mitbestimmt von unseren Erfahrungen und damit verbundenen Gefühlen. Sie entscheiden, wie die Sinnesreize von unserem Hirn eingeordnet werden.

Im Hirnareal für das Sehen z. B. haben ca. 80% der Zellen keine direkte Verbindung nach aussen. Sie sind also quasi «blind», aber an dem Vorgang, den wir «Sehen» nennen, sehr aktiv mit beteiligt.

Nur wer diese Erkenntnisse ignoriert, kann für Einheitlichkeit und Eindeutigkeit plädieren und nicht merken, dass er seine individuelle von seinen Erfahrungen geprägte Perspektive zur alleinseligmachenden erklärt.

Den Aufruf zu Einheit verstehe ich darum v. a. als Aufruf zu einem bescheidenen Dialog. Im Bewusstsein, dass unsere Bilder von der Welt und von Gott immer Interpretationen sind, kann uns der Dialog bereichern. Der Dialog ist unverzichtbar, weil nur er uns eine Vielfalt von Bildern zugänglich macht und uns so zu einer grösseren Perspektive und zu einem «ganzeren» Gottesbild verhelfen kann.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 12-4/5

Etikettenschwindel

«Nicht überall wo Gott drauf steht, ist Gott drin. Und umgekehrt.» So habe ich einmal in einer spontanen Abwandlung eines Satzes aus einem Fernseh-Werbespot formuliert. Dieser anfangs nicht ganz so ernst gemeinte Satz begleitet mich mittlerweile schon ein paar Jahre. Heute brauche ich ihn mit Überzeugung oft in Situationen, wo ich mit Leuten zu tun habe, die mit dem traditionellen Gottesbild Mühe haben, wie sie es von der Kirche und ihren Vertretern erleben oder erlebt haben.Diese Männer und Frauen haben Situationen erlebt, in denen viel von Gott die Rede war, aber wenig von seiner guten, die Menschen befreienden, lebenspendenden Kraft, die wir «Geist» nennen. Sie haben sehr oft ein ganz gutes Gespür für das, was wir Theologen «Gott» nennen. Sie finden es aber unpassend, ihre Erfahrung mit diesem Wort zu bezeichnen. Denn zu oft haben sie erlebt, dass das Wort «Gott» geradezu das Gegenteil von seinem eigentlichen Sinn bedeutet und bewirkt hat.

Diejenigen, die es im Munde führten, taten sich eher durch Einschüchterung und Machtmissbrauch oder durch Selbstrechtfertigung im Namen des Allmächtigen hervor, statt die Menschen, jedes einzelne Gegenüber als Gottes geliebte Geschöpfe zur Liebe zu ermächtigen.

Ich sehe hier als Theologe für mich eine doppelte Aufgabe:

Erstens diese Menschen dabei zu unterstützen, für sich eine neue Sprache zu finden, mit der sie ihre Erfahrung in Worte bringen können. Damit sie nicht wegen eines missbrauchten Wortes die damit verbundene Erfahrung und Wirklichkeit verlieren.

Und zweitens in der Erfahrung und in den errungenen Worten dieser Menschen einen wichtigen Beitrag zu entdecken. Einen Beitrag dazu, der letztlich nicht beschreibbaren Wirklichkeit Gottes in immer neuen und vielfältigen Bildern näher zu kommen.

Nur so bleibt Gott lebenswirksam und mehr als eine nette oder gar falsche Etikette!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 11-49

 

Politik und Religion

«Politik hat in der Kirche nichts verloren und die Kirche hat in der Politik nichts verloren!»In der Politik geht es um die Gestaltung unserer Gesellschaft. Wenn aber Religion mit der Welt, in der wir leben, und ihrer Gestaltung nichts mehr zu tun hat, was hat sie dann überhaupt mit meinem Leben zu tun?

Schon seit dem Mittelalter prägt der Konflikt zwischen Kaiser oder Papst den Lauf der Geschichte. Oft wurde die religiöse Macht der Kirche von den politischen Machthabern für ihre Interessen missbraucht und umgekehrt haben religiöse Führer unter dem Schutz politisch-militärischer Kräfte ihre persönlichen Ziele erreicht. Ein kritischer Blick auf das Verhältnis zwischen Politik und Religion lohnt sich also auf jeden Fall.

Es geht im Kern um die Frage der Macht: Wie werden wir wirksam in der Welt? Es kann nicht darum gehen, Macht einfach zu verdammen. Macht bedeutet nämlich immer auch Gestaltungsmöglichkeit. Es geht vielmehr um einen bewussten Umgang mit der Macht und um ihre gute Regelung.

Meine persönliche Freiheit ist der Ort, wo ich individuelle Macht und Wirksamkeit entfalten kann. Diese Freiheit ist uns, biblisch verstanden, von Gott geschenkt. Darum  gehört zu dieser Freiheit immer auch Verantwortung: Das Bewusstsein, dass ich Teil eines grösseren Ganzen bin.

Darum muss es in der Demokratie auch übergeordnete Werte geben, die nicht demokratisch verhandelbar sind, weil ohne sie der der Demokratie die Grundlage entzogen würde: Menschenwürde und daraus folgend grundlegende Gleichheit und Gerechtigkeit. Freiheit macht nur in diesem Rahmen Sinn.

Darum nutzen Sie ihre politische Freiheit: Gehen Sie an die Urne und nehmen sie Ihre Rechte und Ihre Verantwortung für die Welt mit Blick auf das Ganze wahr!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 11-42/43

Positive Theologie

Anfang Juli nahm ich teil an einem Symposium für Positive Psychologie in Zürich. Die Positive Psychologie ist nachhaltig geprägt vom amerikanischen Psychologen Martin P. Seligman. Ihr Anliegen ist die Ergänzung einer traditionell eher negativ auf Krankheit und Defizit hin orientierten Psychologie. So versucht sie dieser ein korrigierendes Element entgegen zu halten. Es interessiert sie nicht einfach nur, was Menschen psychisch krank macht und was gegen diese Krankheiten hilft. Sie will vielmehr herausfinden, was Menschen psychisch gesund erhält und was ihr Leben erblühenlässt.

Aus seinen Forschungen hat Seligman für seinen Neuansatz der Positiven Psychologie das Merkwort PERMA entwickelt. Es steht für

Positive Emotions                 – positive Gefühle

Engagement                        – befriedigender Einsatz, Flow

Good Relations                    – gute Beziehungen

Meaning                             – Sinn

Accomplishment                  – Zielerreichung, Wirksamkeit

Diese fünf Elemente machen es aus, ob Menschen ihr Leben als gelingend empfinden. Wo erleben Sie PERMA?

Als Theologe komme ich nicht darum herum, auch zu fragen, wie ich in meiner Arbeit PERMA ermöglichen kann. Dazu will ich die biblischen Texte und unsere Traditionen daraufhin lesen, wie sie einer solchen «Positiven Theologie», die eine im besten Sinn befreiende Theologie ist, zuträglich sein können.

Die Botschaft Jesu stellt Gottes Reich ins Zentrum: gelingendes Leben für alle Menschen. Gott will, schöpferisch, tragend und Leben spendend in die Welt mitten unter uns Menschen kommen.

Für uns als Kirche heisst das, dass wir uns darum bemühen sollten, Ermutigung, Ermächtigung, Beteiligung, Freude, Gemeinschaft, gemeinsame Verantwortung zu ermöglichen und zu fördern. Sind Sie dabei?

Pfarreiblatt Zug Kolumne 11-30/31

heiliges brot

Eine meditative Kolumne zum Weissen Sonntag

 

hoffnungsvoll säen
und auf die kraft der erde vertrauen

aufgehen sehen
und mit dem teilerfolg umgehen

geduldig wachsen lassen und pflegen
sonne und regen das ihre tun lassen

aushalten dass was unkraut ist
erst am ende klar wird

freudig und dankbar ernten
was ohne eigenes zutun gewachsen ist

beim dreschen und mahlen sich anstrengen
um das beste aus dem korn heraus zu holen

den teig gründlich mischen
das richtige verhältnis finden

ausdauernd kneten
eigene kraft hinein geben

ruhen lassen
gehen und geschehen lassen

ein feuer entzünden
den ofen einheizen

selber ruhen
nichts tun aushalten

einen laib formen
gestalten und gestaltet werden

beim backen durch die hitze
verwandelt werden

sich aufmerksam am geruch freuen
und den geschmack erahnen

beim hinein beissen
das verheissungsvolle knuspern hören
und genussvoll das frische brot schmecken

ganzheitlich genährt werden
um selber nähren zu können

beim gemeinsamen essen
beheimatung und gemeinschaft erfahren

 

IM BROT IST DAS GANZE LEBEN DRIN

kein wunder sagen wir

IN DIESEM BROT IST GOTT SELBER DRIN

Pfarreiblatt Zug Kolumne 11-19

Aschermittwoch – Zwischen Fasnacht und Fastenzeit

Die Fasnacht wirft jegliche Regeln über den Haufen. Sie verwirrt ganz bewusst und verunmöglicht mit Maskerade und Tollerei jede Orientierung. Was scheinbar immer und ewig gilt, wird in Frage gestellt. Ein Bet­­tler wird zum König. Der Narr sagt die Wahrheit. Der Weise wird zum Clown.

So macht die Fasnacht den Boden bereit für die Zeit, die nun folgt: die Fastenzeit.

Diese Zeiten sagen uns: Sei dir der äusserlichen Ordnung nicht zu gewiss. Geh der Sache auf den Grund. Entdecke was wirklich trägt.

Fasten heisst darum, dem Leben neue Orientierung, neuen Sinn zu geben. Fasten heisst umkehren zu neuem Leben, nicht nur äusserlich sondern mit ganzem Herzen.

Darum geht es Jesus in seiner Botschaft überhaupt immer wieder: Um die Haltung, das innere Umkehren zu Gott, zum Leben. Damit nimmt er die Erkenntnisse des Hirn­forschers Gerald Hüther vorweg, der eine nach­hal­tige Verhaltensveränderung ohne die Ände­rung der inneren Haltung als unmöglich bezeichnet: Zu anderem Verhalten kommen wir nur dadurch, dass wir uns einladen lassen zu neuen Er­fah­rungen, die wir mit neuen, positiven Emotionen verbinden können.

Die Fastenzeit könnte genau so eine Ein­la­dung sein, einmal etwas anderes aus­zu­pro­bie­ren – eine neue Erfahrung zu machen und dabei eine Haltung zu entwickeln, die wirklich trägt.

«Von Staub bist du genommen, zu Staub kehrst du zurück.» Der Aschermittwoch und die Fastenzeit laden ein, uns ganz neu und tief bewusst zu werden, wer und was wir eigentlich sind: Menschen, einzigartig und vergänglich, gehalten und frei.

Zu welcher neuen Erfahrung könnte ich mich in dieser Fastenzeit einladen (lassen), um mir das verstärkt deutlich zu machen?

Pfarreiblatt Zug Kolumne 11-11