Zweifel

«Da ist wahrscheinlich kein Gott – also sorg dich nicht, geniess das Leben.» steht auf dem Plakat der Freidenker-Vereinigung der Schweiz. Die Aussage richtet sich implizit gegen das Bild eines Gottes, der Angst macht und einem das Leben vermiest. Dagegen wehren sich die Frei-Denkenden mit gutem Recht. Problematisch finde ich nur, dass sie dieses defizitäre Bild als repräsentativ und als das Einzige betrachten. Sie nehmen sich nicht die Freiheit, mit Tolstoj weiter zu denken: «Wenn jemand an seinen hölzernen Gott zu glauben aufhört, so heisst das nicht, dass es keinen Gott gibt, sondern nur, dass er nicht aus Holz ist.»

Wir können nicht anders, als uns in – gut biblischer Tradition – immer wieder neue, bessere Bilder von Gott machen. Aber eben nur Bilder. Vorläufige Bilder. Wir sind und bleiben Menschen. Da nützt mir die suggerierte Scheinsicherheit der evangelikalen Plakat-Antwort auch nichts: «Da ist bestimmt ein Gott – also sorg dich nicht, er sorgt für dich».

John Updike sagt: «Der Teufel ist die Abwesenheit von Zweifel.» Da finde ich das Wort «wahrscheinlich» auf dem Freidenker-Plakat doch ehrlicher und sympathischer. Ich jedenfalls bin angeregt, mir weiter frei mit Gottvertrauen meine Gedanken zu meinem Gottesbild zu machen!

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