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Über sinnsorger

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Dasein und Zuhören

Immer öfter lesen wir in der Zeitung am Ende eines Artikels über einen Unglücksfall: «Es war ein Careteam im Einsatz.» Seit einigen Jahren bin ich Mitglied im CareTeam des Kantons Zug und seit gut einem Jahr bin ich sein Fachlicher Leiter.

Ein Careteam und sogenannte Caregiver kommen dann zum Einsatz, wenn Menschen eine akute Belastungssituation erleben, die sie momentan überfordert und sie vielleicht sogar längerfristig belasten könnte. Diese sogenannte traumatische Erfahrung lässt sich etwas vereinfacht zusammenfassen mit: «zu viel, zu schnell, zu plötzlich».

Die zu betreuenden Menschen erleben also etwas Aussergewöhnliches und reagieren daher oft auch aussergewöhnlich. Sie stehen inder akuten Belastungsreaktion „neben sich“. Das kann die Betroffenen sehr verunsichern. Sie stellen sich auf Grund ihrer Reaktionen oft selbst in Frage.

Die Aufgabe der Caregiver besteht darum vor allem darin, die Menschen in dieser Situation nicht allein zu lassen und die Betreuten zuhörend zu begleiten. So können sie formulieren, was sie erlebt haben und was das in ihnen auslöst. Für die allermeisten Betroffenen ist das der erste und wichtigste Schritt zu einer selbstständigen weiteren Bewältigung des Erlebten.

In diesen besonderen Situationen wird offenbar, was Menschen ganz grundlegend benötigen: Jemand der da ist und einfach zuhört!

Das Fest Taufe Jesu und unsere Taufe

«Fürchte dich nicht,
ich habe dich beim Namen gerufen,
du bist mein.» (Jes 43,1)

Wo immer Menschen sich neu erfüllen lassen von Gottes Atem (Geist), sich neu orientieren am Leben und an der Gerechtigkeit, realisiert sich Gottes Zusage an Jesus neu an jede/n von uns:
Du bist mein geliebter Sohn!
Du bist meine geliebte Tochter!

Kategorie: Allgemeines
Erstellt von: ra

«Fürchte dich nicht, ich habe dich beim Namen gerufen, du bist mein.» (Jes 43,1) Diese Zusage erhalten wir bei der Taufe. Sie gilt letztlich jedem Menschenkind. Denn jeder Mensch ist ein Individuum, das sich durch seinen Namen auszeichnet. Und kein Mensch gehört jemand anderem als dem Leben, dem wir auch «Gott» sagen.

Johannes der Täufer predigt im Umfeld Jesu Umkehr, neue Hinwendung zu Gott, seinem Willen zum Leben und zur Gerechtigkeit. Er hat die Menschen daran erinnert, dass Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe alleine nicht genügt. Zuwendung zu Gott, zum Leben, muss sich immer auch in einer bestimmten Lebenspraxis zeigen.

Jesus kommt zu ihm und lässt sich taufen. Damit signalisiert er selbst in seinem Leben einen Wendepunkt und Neuanfang. Beim Auftauchen aus dem Jordan strömt der Atem befreiend und weitend neu in seine Lungen, so wie sie sich bei der Geburt ein erstes Mal gefüllt haben. Der Himmel öffnet sich, Gott ist spürbar da und spricht: «Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Gefallen gefunden».

Wo immer Menschen sich neu erfüllen lassen von Gottes Atem (Geist), sich neu orientieren am Leben und an der Gerechtigkeit, realisiert sich diese Zusage neu. Gottes Zusage an Jesus richtet sich an jede/n von uns:
Du bist mein geliebter Sohn!
Du bist meine geliebte Tochter!

Von jedem Einatmen werde ich neu belebt und gestärkt.
Ich erfahre Liebe und das Geschenk des Lebens.
In jedem Ausatmen kann ich diese Liebe furchtlos weiter geben
im Dienst am Leben und an mehr Gerechtigkeit.

Pfarreiblatt Zug Editorial – 14-03

Tag des (religiösen) Friedens

Seit 1796 wird einmal jährlich landesweit gebetet, seit 1832 jeweils an einem festen Termin: dem dritten Sonntag im September. Dieser älteste eidgenössische Feiertag sollte gerade nach den konfessionellen Kämpfen von 1844 die gemeinsame Verwurzelung in der christlichen Tradition stärken.Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Das ursprüngliche Anliegen war es, den Frieden zwischen den verfeindeten inner-eidgenössischen Konfessionen zu sichern. Heute weitet es sich sinnvollerweise aus. Die Sorge um den religiösen Frieden und die Integration im Sinn des Zusammenhalts der verschiedenen kulturellen und religiösen Gruppen der Gesellschaft können heute im Zentrum stehen.

Danken
für unser geburtliches Privileg in diesem Land und seinen menschen- und lebensfreundlichen Strukturen geboren zu sein.
Uns darum auch nichts darauf einbilden, sondern es als eine besondere Verantwortung zum Teilen unseres finanziellen und politischen Reichtums wahrzunehmen.

Büssen
verstehen als neues sich Hinwenden und sich Ausrichten auf Gott. Oder in einer säkulareren Sprache: sich Ausrichten auf die guten Kräften des Wachsens und Lebens.
Uns darum nicht mitreissen lassen von Menschen verachtenden Parolen, die nur Missbrauch sehen und Politik machen auf Kosten der Schwächsten und Hilfebedürftigsten. Vielmehr das Gute und Starke wahrnehmen und fördern zum Wohl der Gemeinschaft.

Beten
um Kraft und Mut, den ersten Schritt auf einander zu immer wieder neu zu wagen.
Uns darum auf unsere eigene Bedürftigkeit und Friedenssehnsucht besinnen. Gemeinsame Schritte auf Frieden hin tun im Wissen, das Friede letztlich ein Geschenk bleibt.

Machen wir gemeinsam etwas aus dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag!

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 13-38

Pfingst-Wunder

Pfingsten ist ein Plädoyer gegen Einheitlichkeit, gegen Emotions- und Erfahrungslosigkeit!

An Pfingsten feiern wir das Erlebnis der Freunde und Freundinnen Jesu, das sie aus der Ängstlichkeit im verschlossenen Raum hinausgeführt hat. Sie sind be-GEIST-ert ( Apg 2,4) auf den Marktplatz gegangen. Und sie haben von ihren Erlebnissen mit Jesus und ihrem daraus erwachsenen Glauben erzählt.

Die Bedeutung einer  Botschaft bestimmt letztlich immer der/die Empfänger/in. Davon geht die Kommunikations­theorie heute aus. Darum ist das Missverständnis eher der Normalfall und Kommunikation gelingt mehr nicht als dass sie gelingt.

So können wir in dieser pfingstlichen Erzählung mit gutem Gewissen von einem Wunder sprechen, denn: Kommunikation gelingt! Die Botschaft kommt an: «Jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache sprechen» (2,8)  und verstand.

Zwei Elemente sind mir an dieser Geschichte wichtig geworden:

Kommunikation kommt an, wenn sie von Begeisterung getragen ist. Der emotionale Anteil in der Kommunikation darf nicht unterschätzt werden. Hirnforscher Gerald Hüther spricht immer wieder davon, dass intensive positive Emotionen (Freude und Begeisterung) Menschen beim nachhaltigen Lernen unterstützen, ja ihnen dieses erst ermöglichen. Und Lernen ist letztlich einfach eine besondere Form von Kommunikation.

Vielfältige Kommunikation hat grössere Chancen anzukommen. Die Freundinnen und Freunde Jesu sprechen in unterschiedlichen Sprachen «wie der Geist ihnen eingab» (2,4). Das schafft für die Zuhörenden verschiedene Zugänge zur zentralen Aussage: Angesichts der Auferstehungserfahrung mit Jesus umzudenken (2,37) und mutig auf Träume und Visionen zu vertrauen (2,17-18). Das Gesagte wird von jedem/r in der je eigenen Sprache verstanden.

Pfingsten ist ein Plädoyer gegen Einheitlichkeit, gegen Emotions- und Erfahrungslosigkeit!

Pfingstliche Menschen und pfingstliche Kirche werden wir, wenn wir begeistert von der Erfahrung reden, die uns bewegt und andere auf vielfältige Art und Weise dazu einladen!

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 13-21

Bescheidenheit

Wahrheit kann sich nur zeigen. Sie ist einsichtig, oder sie ist nicht. Wer Wahrheit mit Autorität begründen muss, gesteht indirekt ein, dass sie nicht aus sich selber überzeugt!

Darum braucht es so etwas wie «theologische Bescheidenheit» und Dialog.

Unser neuer Papst Franziskus lebt Bescheidenheit vor. Er nimmt Bus statt Limousine, legt die Prachtsstola nur zum Segnen an und lässt davor geneigten Hauptes die Men­schen für sich beten. Er nennt sich statt «Oberhaupt der Weltkirche» einfach «Bischof von Rom» und grüsst die Menge auf dem Petersplatz ausschliesslich in italienischer Sprache. Mir gefällt die offensichtliche Orientierung an seinem Namenspatron, dem Armen-Heiligen Franziskus von Assisi. Mir gefallen die deutlichen Zeichen, die er setzt, seine Bescheidenheit im Amt zu markieren. Auch wenn uns das als reiches Land noch ziemlich herausfordern und wir uns auch in den Pfarreien sicherlich eine Scheibe davon abschneiden könnten!Was ich mir darüber hinaus (nicht nur vom Papst) auch erhoffe, ist so etwas wie «theologische Bescheidenheit». Die Katholische Kirche sieht sich traditionellerweise als Hüterin, um nicht zu sagen Verwalterin der Wahrheit. Dies beinhaltet die Vorstellung, dass die Wahrheit irgendwie abgegrenzt, in eine Schachtel gepackt und weiter gegeben werden kann.

Meiner Meinung nach kann sich Wahrheit nur zeigen. Sie ist einsichtig, oder sie ist nicht. Wer Wahrheit mit Autorität begründen muss, gesteht indirekt ein, dass sie nicht aus sich selber überzeugt!

Von den Kommunikationswissenschaften lernen wir, dass die Bedeutung einer Botschaft immer vom Empfänger bestimmt wird. Dass das Gemeinte und das Verstandene einfach so übereinstimmen, ist daher eher unwahrscheinlich. Darin liegt auch der Grund, dass Kommunikation öfter miss­lingt als gelingt und dass Missverständnisse eigent­lich der Normalfall sind.

Einer auch theologisch beschei­denen Kirche stünde es daher gut an zur Wahrheits-Suche einzuladen und die eigenen Deuteangebote als Angebote in einem Dialog zu verstehen. In einem Dialog, der sich aus der Vielfalt der Erfahrungen nährt und sich als Dienst am Prozess der Wahrheitssuche versteht. In diesem Prozess haben wir  als Katholische Kirche in aller Bescheidenheit auf jeden Fall auch etwas beizutragen!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 13-04

Königlich

In der Taufe wird jede/r (wie ein/e König/in) gesalbt. Damit wird sein/ihr Anteil an einer unverlierbaren menschlichen Würde ausgedrückt, die zugleich eine messianische (weltverändernde) Würde und Verantwortung ist!

Seien wir in diesem Sinn königlich!

Bei Lukas wird erzählt von der Geburt Jesu bei einer Futterkrippe nach vergeblicher Herbergssuche und von den Hirten als ersten Zeugen. So wie die Menschen Jesus als Erwachsenen erlebt haben, so war er «von Anfang an»: er stellt die Werteordnung auf den Kopf und stellt die ins Zentrum, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt worden sind: Arme, unreine Hirten und Kranke, Zöllner, Frauen…

Matthäus hingegen erzählt von «Magiern aus dem Osten», die einen Stern haben aufgehen sehen, der für sie die Geburt eines neuen Königs angekündigt hat. Die drei wertvollen Geschenke zeigen Jesus als den erwarteten Messias: den messianischen König (Gold),  Heiler  oder «Heiland» (Myrrhe als Heilpflanze) und zukünftigen Hohepriester Israels (Weihrauch).

Aus ihnen wurde später auf eine Dreizahl der Besucher aus dem Osten geschlossen und sie wurden selber zu Königen. Sie repräsentieren später auch die drei Menschenalter: Kind, Erwachsener, Greis oder die Herkunft von den damals bekannten drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika: Jesus wird Bedeutung für jedes Alter und für die ganze Welt gegeben.

Wie bei allen Ursprungsgeschichten, die wir uns um Weihnachten erzählen, geht es bei diesen Schilderungen nicht um historische Fakten, sondern um rückblickende bildhafte Deutungen der Be-Deutung Jesu für uns und für die Welt.

Beim Dreikönigskuchenessen kann jede/r König/in werden. Das zeigt etwas zentral Christliches: Christus, der gesalbte Messias und Mensch gewordene Gott, gibt (quasi demokratisierend) allen Menschen messianische Würde (als König, Profetin, Heiler und Priesterin). Darum wird in der Taufe jede/r gesalbt. Damit wird sein/ihr Anteil an einer unverlierbaren menschlichen Würde ausgedrückt, die zugleich eine messianische (weltverändernde) Würde und Verantwortung ist!

Seien wir in diesem Sinn königlich!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 13-02

Wir teilen die Luft zum Atmen!

Das Wort Jahwe, der heilige jüdische Namen für Gott, bedeutet ‚Ich bin’. Im jüdischen Volk durfte er nicht ausgesprochen werden, er war buchstäblich unaussprechlich… Die für das Wort Jahwe verwendeten Konsonanten (JHWH) gestatten es nicht , beim Sprechen die Lippen zu schliessen oder die Zunge zu benutzen. Der heilige Name Jahwe ist also ein Versuch, das Geräusch des Ein- und Ausatmens nachzuahmen  und wiederzugeben!
Im Kanton Zug gibt es seit 2008 das Forum der Religionen. Es wird getragen von den Landeskirchen und lädt zum Dialog ein, indem jedes Jahr ein bis zwei öffentliche interreligiöse Veranstaltungen organisiert werden.Jeweils Anfang November findet die Woche der Religionen statt. Am 6. November laden wir in ihrem Rahmen um 20.00 Uhr in der Reformierten Kirche in Zug zusammen mit der CityKircheZug ein zur «Feier der Religionen». Angelehnt an den Zyklus zu den vier Elementen der Katholischen Kirche an der Zuger Messe geht es dieses Jahr auch bei uns um das Thema «Luft».

Mich inspiriert dabei die Geschichte, die Richard Rohr in seinem neuesten Buch «Entscheidend ist das UND: Kontem­plativ leben UND engagiert handeln» erzählt (ab S. 49):

«Ich (lernte) von … einem jüdischen Naturwissenschaftler, der zu gleich Rabbi ist, etwas, das mir während meines ganzen Studiums der hebräischen Heiligen Schrift entgangen war. Das Wort Jahwe, der heilige jüdische Namen für Gott, bedeutet ‚Ich bin’. Im jüdischen Volk durfte er nicht ausgesprochen werden, er war buchstäblich unaussprechlich… Der jüdische Naturwissenschaftler wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die für das Wort Jahwe verwendeten Konsonanten (JHWH) es nicht gestatten, beim Sprechen die Lippen zu schliessen oder die Zunge zu benutzen. Der heilige Name Jahwe ist also ein Versuch, das Geräusch des Ein- und Ausatmens nachzuahmen  und wiederzugeben!

Vielen Zuhörern kamen die Tränen, als er fortfuhr und ihnen die Augen dafür öffnete, was die grossen Meditationslehrer schon immer betonen: Gott kann in keinerlei Form von Wörtern gefasst werden, die wir im Griff hätten, oder mit Vorstellungen, die wir formulieren könnten. Gott ist vielmehr wie die Luft, der Atem, der Geist vor unserem Mund… Luft. Atem, Wind und Geist sind immer über uns hinaus und dennoch völlig um uns, in uns und jenseits von uns. Wir haben alle gleichermassen daran Anteil. Wir alle atmen die gleiche Luft und dennoch empfängt sie jede und jeder von uns ganz persönlich.

Es gibt keine speziell afrikanische oder amerikanische Art zu atmen. Hindus und Christen atmen die gleiche Luft. Diese Erkenntnis verändert das gesamte Gebetsleben und die Fähigkeit, für Gott präsent zu sein.»

Spüren Sie einfach einmal mit diesem Gedanken für eine Minute Ihren Atem…

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 12-45

Ich will katholisch glauben!

«Das Wort katholisch stammt von griechisch katholikós (aus katá um… willen und hólon das Ganze) ab und bedeutet ‚das Ganze betreffend‘, ‚allgemein‘.» So steht es in der Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Mit David Steindl-Rast in seinem Buch «Credo» gehe ich einig, dass es heute darum geht, in ein «wahrhaft katholisches – allumfassendes – Glaubensverständnis» hinauszutreten. Dieses lässt sich durch keine Wortklaubereien und Kirchenmauern einschränken.

Glaube – das was mich im Leben trägt – ist zu unterscheiden von der Konfession – dem was ich konkret und ausdrücklich in historisch bedingter Weise formuliert zu glauben bekenne. Meinen Glauben verstehe ich in dem Sinn katholisch, als er sich am Anspruch zu messen hat, in seinem Kern jedem Menschen grundsätzlich zugänglich zu sein.

Ich glaube, es geht darum, eine andere Sichtweise auf die Welt zu pflegen, die Gott, Sinn, das Leben mittendrin im Erlebten, Erfahrenen und Gewussten entdeckt. Über diese Erfahrung können wir in den Austausch kommen, sie steht grundsätzlich allen Menschen offen (ist katholisch). In ihr sind wir einander verbunden.

Was wir der Erfahrung für eine Be-Deutung geben hängt von unserer Geschichte, unserem kulturellen und familiären Hintergrund ab. Als Christ deute ich die Erfahrungen in meinem Leben mit Blick auf das Leben von Jesus von Nazareth und auf dem Hintergrund der Christuserfahrung in dem, was wir seine Auferstehung nennen. Dort, so glaube und darauf vertraue ich, ist mittendrin im Leben Gott als Kraftquelle, Ursprung und Sinngeber des Lebens spürbar und erfahrbar -.

Heute gibt es je länger je mehr Menschen, denen diese Deutung aus unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) zugänglich ist.
Darum ist es für mich so zentral, nicht an den traditionell interpretierenden Worten hängen zu bleiben. Vielmehr geht es darum, im Dialog mit den Menschen gemeinsam auf die Erfahrungen hinter der Deutung zurück zu gehen. Dort finden wir einen gemeinsamen, allgemeinen – eben «katholischen» – Grund und Boden uns zu verständigen – und im besten Fall auch Grund zum Glauben.

Glauben ist so keine Hilfskonstruktion, die dort zum Zuge kommt, wo das Wissen nicht mehr weiter hilft. Denn das würde ja bedeuten, je mehr wir wissen, umso kleiner wird Gott. Gott ist nicht etwas, woran ich gegen alle Vernunft glauben muss, sondern woran sich aus guten Gründen zu glauben und worauf sich zu vertrauen «lohnt».

Pfarreiblatt Zug Kolumne 12-37

Nebensache?

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Die Fussball-EM läuft. Mit mehr oder weniger Begeisterung und Anteilnahme, sind wir Schweizer/innen dabei. Fussball wird oft als «die wichtigste Nebensache der Welt» bezeichnet.

Wenn Fussball Nebensache ist, was ist dann die Hauptsache? Was sind Ihre Haupt und Nebensachen? Und – wie viel Hauptsächliches ist vielleicht auch im scheinbar Nebensächlichen zu finden? Ich denke, der Frage lohnt sich nachzugehen, gerade auch wenn wir an die ganz alltäglichen scheinbar nebensächlichen Bilder in den Gleichnissen Jesu denken.

Sätze wie: «Der Ball ist rund.» – «Ein Spiel dauert 90 Minuten.» – «Tor ist, wenn der Schiedsrichter pfeift.» können wir als Plattitüden abtun, aber auch als grundlegende Lebensschule verstehen: Sie können uns zeigen, dass es oft darum geht Grenzen und Regeln wahr und ernst zu nehmen, Gegebenheiten und Fakten zu akzeptieren. Denn wenn wir das tun, dann wird auf diesem abgesteckten Spielfeld kreatives freies Spiel erst möglich.

Dort, wo es einem Trainer gelingt, kann einem bewusst werden, was es heisst, ein gut funktionierendes Team zu formen: Die besonderen individuellen Fähigkeiten von Ausnahmekönnerinnen und die vielen Unterschiedlichkeiten von «Durchschnittsspielern» in den Dienst der Gruppe und der gemeinsamen Sache zu stellen. So kann der Wert des Engagements für ein Team und sein gemeinsames Ziel aufscheinen.

Wo gelingt es uns denn als Kirche und Pfarrei, wirkliche Teams zu bilden? Wo gelingt es uns, dass jede/r die eigenen individuellen Stärken im Dienst an der Sache Jesu einbringen und leben kann?
Wo das glückt, da ermöglichen wir gelingendes Leben. Und da wären wir meiner Meinung nach im Blick auf das, was Kirche und Christ/in Sein soll, bei der Hauptsache!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 12-26