Archiv der Kategorie: Gedanken

Christsein – Bonhoeffer

„Christsein heisst nicht, in einer bestimmten Weise religiös sein, auf Grund einer inneren Methodik etwas aus sich machen, sondern es heisst: Menschsein.

Das Christliche ist nicht etwas jenseits des Menschlichen, sondern es will mitten im Menschlichen sein. Das Christliche ist ja nicht Selbstzweck, sondern es besteht darin, dass der Mensch als Mensch vor Gott leben darf und soll.

Der Christ hat sein Betätigungsfeld in der Welt. Hier soll er anfassen, mitschaffen und wirken, hier den Willen Gottes tun. Darum ist der Christ nicht ein resignierter Pessimist, sondern einer, der in der Welt freudig und heiter ist.“

Dietrich Bonhoeffer

Gott 9.0

Etwas ungewohnt und für technik- und computerkritische Leute leider abschreckend kommt der Titel eines höchst spannenden Buches daher. Jetzt auch online zu entdecken auf www.gott90.de
Dem Buch Gott 9.0 liegt ein Modell zu Grunde, das die verschiedenen bisherigen Bewusstseinsebenen der jeweiligen Gottesvorstellungen abbildet und zueinander in Beziehung setzt. Gott 1.0 entstand vor ca. 100.000 Jahren, derzeit erscheinen am Horizont die Level 8.0 und 9.0 – unsere Gesellschaft steht vor einem spannenden Paradigmenwechsel.

Ich habe das Buch mit sehr viel Gewinn ein erstes Mal gelesen und werde wohl immer wieder mal einen Ausflug in diese höchst spannende Gedankenwelt machen!

3Königstag

Die Weisen aus dem Osten:
 
…erkannten die Zeichen.
…machten sich auf den Weg.
…folgten einem Stern.
…liessen sich von einem Traum bewegen, ihren Weg zu ändern.
* Wann erkennen wir die Zeichen?
* Wo brechen wir auf?
* Welchen Stars, Sternchen und Sternen folgen wir?
* Welche Träume bewegen uns zu Veränderungen?

«Dialog»

Es gibt Bücher, die muss ich immer wieder lesen. Ich bin im Moment grad dran an einem, das zu einem solchen «Wiederholungsbuch» werden könnte. David Bohm entwickelt im Buch »Der Dialog» die faszinierende Vision von gelingender Kommunikation. Er spricht vom Dialog als sinnvollerer Alternative zur Diskussion. In der Diskussion geht es um das zerschlagen und zerteilen (lat. dis-cutere). Es geht um Gewinnen und Verlieren. Was dazu führt, das oftmals die andere Meinung abgewertet wird. Zur Diskussion gehört meist auch, dass dem Gegenüber schlechte Motive unterstellt werden, während jede/r sich selbst als wahr und wahrhaftig anschaut! Diese Art der Kommunikation führt nur zu Siegern auf Zeit, zu Verliererinnen bis zum nächsten Kampf und wenn überhaupt zu wenig Fortschritt in der Sache. Jede «Arena»-Sendung legt von diesem negativen Mechanismus ein ernüchterndes Zeugnis ab.In einem Dialog geht es um eine Vision von gemeinsamem, kollektivem Denken. Dabei ist eine Grundvoraussetzung, dass die Teilnehmenden bereit sind, ihre Grundannahmen in Frage stellen zu lassen. Sie genau gleich wie die Aussagen von anderen erst einmal «in der Schwebe zu halten» und so im gemeinsamen Denken gemeinsamen Sinn entstehen zu lassen.

Es geht nicht um Über-redung und nicht um Über-zeugung, die beide in ihrem Wortsinn schon ein Oben-unten- oder ein Sieger-Verlierer-Verhältnis nahe legen. Dem Dialog geht es um Teilhabe und Teilgabe an meiner und deiner Meinung und um ein gemeinsames Bewusstsein von Verbundenheit als Voraussetzung dafür, dass wirkliche Kommunikation möglich wird.

Wäre das nicht eine neue Haltung für ein neues Jahr?!

Lit: David Bohm: Der Dialog. Das offene Gespräch am Ende der Diskussionen, Stuttgart 2005/4

Pfarreiblatt Zug Kolumne 09-1/2

Das Zauberwort: Wamiwigewo

Ich bilde mich momentan aus zum Supervisor, Organisationsentwickler und Coach. Oder etwas einfacher und ohne Fremdworte gesagt, ich bilde mich aus zum professionellen Berater für Einzelne, Gruppen und Organisationen.

Zum Konzept meiner Ausbildung gehört die Dokumentation, d. h. eine regelmässige und schriftliche Selbstreflexion mit Hilfe der Frage: «Was ist mir wichtig geworden?» Daraus leitet sich das Zauberwort: «Wamiwigewo» ab.

Vielleicht schreiben Sie ja schon Tagebuch. Dann versuchen Sie einmal ihre Einträge unter diesem Titel zu formulieren: Was ist mir heute, in dieser Woche, in letzter Zeit wichtig geworden?

Mich regt die schriftliche Beantwortung dieser Frage unheimlich an. Durch die Schriftlichkeit bin ich gezwungen, meine Erfahrungen und Erlebnisse auf den Punkt zu bringen. Und durch die Frage nach der Wichtigkeit für mich schaffe ich einen intensiven Bezug der Ereignisse und Erfahrungen zu mir.

Nach Kurstagen in der Gruppe schreibt jede/r Teilnehmende sein/ihr «Wamiwigewo» und alle erhalten eine Zusammenstellung der einzelnen Beiträge. Diese Gruppendokumentation ist jeweils ein eindrückliches Zeugnis für die Vielfalt der Gruppe und für die Individualität der Wahrnehmung jedes/r Einzelnen.

Wagen Sie es und lassen Sie sich vom Zauberwort «Wamiwigewo» bereichern. Schreiben Sie einmal die Woche nur für sich ihr «Wamiwigewo» auf. Ohne sich mit einem literarischen Anspruch selber unter Druck zu setzen…

Gehen Sie noch einen Schritt weiter und tauschen sie sich mit einem/r guten Freund/in über ihre «Wamiwigewo» aus. So merken Sie noch besser, was Ihnen wirklich wichtig ist! Ich wünsche Ihnen dabei viele spannende und bereichernde Entdeckungen!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 08-19

Angst

Ich steige in Luzern in den Schnellzug nach Zug. Im übernächsten Abteil sehe ich ein kleines Mädchen. Sie ist vielleicht 8jährig. Bei der Abfahrt des Zuges steht sie auf und winkt am Fenster einer jungen Frau zum Abschied. Das Mädchen geht zurück an seinen Platz. Sie reist ganz alleine. Sie hat ein kleines Rucksäckchen bei sich, ein Plüschtier und ein grosses Kuscheltuch mit Batikmuster. Wir verlassen mittlerweile den Bahnhof. Das kleine Mädchen nuckelt am Daumen und kuschelt mit Plüschtier und Decke.

Ich bin selber Vater von zwei Mädchen in ähnlichem Alter. Ich überlege mir, mich zu dem Mädchen hinzusetzen und etwas ins Gespräch zu kommen. Ich denke, das könnte ihr die Angst vielleicht etwas nehmen. Im selben Moment kommen mir die Schlagzeilen der vergangenen Wochen zu dem vermissten Mädchen in den Sinn. Ich überlege mir, was wohl die Mutter dem Mädchen gesagt hat, wie es sich verhalten soll: «Sprich nicht mit Fremden!»

Mache ich ihr noch mehr Angst, wenn ich zu ihr gehe? Bin ich nicht einfach schon verdächtig, weil ich als Mann zu dem Mädchen gehe? Wie reagieren die Leute im Zug? Wieso mache ich nicht das Natürlichste und Naheliegendste?

Fragen der Angst. Ich bleibe sitzen.

Tu’, was du willst!

Tu’, was du willst!

Dieser Satz ist oft mit einem etwas resignierten Unterton als Schlusspunkt einer vergeblichen Überzeugungsarbeit zu hören: «Dann mach doch, was du willst.» Diesen Satz meine ich nicht.

Dieser Satz kann verstanden werden als Freipass für verantwortungslosen Egoismus, als Schlachtruf für eine falsch verstandene, scheinbar «absolute» Freiheit: «Mach was dir gerade einfällt!» Diesen Satz meine ich auch nicht.

Ich meine den Satz, der mir Kraft geben will, der mich auf mich selber zurückwirft und klare Fragen stellt: Was will ichdenn eigentlich? Was will ich eigentlich wirklichWill ich das wirklich, was ich tue? Ist es meine Überzeugung, die mein Handeln leitet?

Dieser Satz meint Verantwortung mit. Er ist in einem bestimmten Bewusstsein gesprochen. Im Bewusstsein, dass ich und dass jedes Ich eingebunden ist. Eingebunden in ein grösseres Ganzes. Teil einer Gemeinschaft, Teil eines Universums von denen ich in dem Sinn abhängig bin, dass es mich ohne das Ganze gar nicht gäbe.

Dieses Eingebundensein ist mir gleichzeitig auch Halt und gibt Sicherheit. Es ist letztlich der Grund meiner Freiheit. Erst, wenn ich tue, was ich wirklich will, gerade auch im Hinblick auf dieses grössere Ganze, lebe ich meine Freiheit.

Dieses «Tu’, was du willst» schafft Veränderung gerade durch die Treue zu mir selber. Denn «Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist, nicht wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist. Veränderung… findet statt, wenn man sich die Zeit nimmt und die Mühe macht, zu sein, was man ist; und das heisst, sich voll und ganz auf sein gegenwärtiges Sein einzulassen.» (Arnold R. Beisser)

Darum: «Sei, wer du bist und tu’, was du willst!»

Pfarreiblatt Zug Kolumne 06-46