Archiv der Kategorie: Theologisches

NoRmaLbehindert

Vor ein paar Jahren hatten wir in der CityKircheZug ein Konzert der Band «Die Regierung», in der Menschen mit Behinderung mitspielen. Geleitet wird das Projekt von einem Ehepaar, das sich selber im Konzert als «normalbehindert» vorgestellt hat. Dieses Wort hat sich damals bei mir eingebrannt, weil es so schön irritierend und unheimlich anregend ist.

Als wir daran gingen, für diesen September gemeinsam mit den Behinderteninstitutionen und –organisationen im Kanton Zug Aktionstage zum Thema Inklusion zu planen, ist dieses Wort bald wieder aufgetaucht und hat uns nicht mehr losgelassen: NoRmaLbehindert. Was ist normal? Was ist behindert? In einer der vorbereitenden Sitzungen hat eine Frau, die selber mit einer Behinderung lebt, gesagt: «Für mich ist Irritation Alltag.» Auch diese Aussage wurde prägend für die weitere Planung.

Um nicht nur die immer gleichen, schon sensibilisierten Menschen zu erreichen, planten wir darum auch Aktionen, die in der Öffentlichkeit irritieren wollten. Die Schauspielgruppe der zuwebe hat z. B. in der Neustadtpassage ein Schaufenstertheater aufgeführt, das verschiedene pantomimische Szenen aneinanderreihte. Diese Szenen wurden jeweils mit einem Text auf einer grossen Karte abgeschlossen, der lautete: «Ich bin be-…» Mit einer weiteren Karte wurde jeweils überraschend und auf die Szene Bezug nehmend ergänzt: «…sonders», «…glückt», «…zaubernd», «…geistert» oder noch anders…

Poetisch und spielerisch angeregt, konnte sich manch eine Person im Publikum dabei ertappen, den Satz beim ersten Mal innerlich automatisch mit «…hindert» ergänzt zu haben. Inklusion, wirkliche Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben, beginnt im Kopf und braucht einen Impuls im Herzen!

Die Dokumentation der Aktionstage ist zu finden unter www.facebook.com/normalbehindert. Sie ist auch ohne Facebook-Account zugänglich!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 38/14

Wenn Geschichte ein Gesicht bekommt…

Über Fronleichnam waren wir mit einer Gruppe Jugendlicher aus unserer Pfarrei auf Firmreise in Berlin. Dank eines persönlichen Kontaktes hatten wir Gelegenheit zu einer Begegnung mit Chaim Grosser. Wir besuchten zusammen die Gedenkstätte Gleis 17 in Berlin-Grunewald. Von dort aus wurden in den 40er Jahren die Jüdinnen und Juden Berlins in Viehwaggons verladen und in die Arbeits- und Vernichtungslager der Nazis abtransportiert. Eindrücklich erzählen dutzende grosse metallene Gitterplatten auf dem Bahnsteig wie Kalenderblätter davon, wie viele Menschen am jeweiligen Datum wohin deportiert worden waren.

Chaim erzählte uns viel von der Geschichte der «Shoa». Er vermied dabei bewusst den Ausdruck «Holocaust», der ursprünglich das Brandopfer im Tempel bezeichnete. «Shoa» hingegen bedeutet Vernichtung und steht für die systematische Ermordung von sechs Millionen jüdischer Menschen unter der Herrschaft der Nationalsozialisten in Deutschland. Eindrücklich gab Chaim uns Einblick in seine persönliche Geschichte als sogenannter «Child-Survivor» und wie prägend seine ersten Jahre als Kind im Versteck zusammen mit seiner Mutter gewesen waren.

Am Tag darauf hatten wir darüber hinaus noch die bereichernde Möglichkeit in Chaims Atelier Einblick in sein Kunsthandwerk zu erhalten. Unter seiner Anleitung konnten alle ein Keramikschälchen töpfern. Wir erlebten damit persönlich seine Art der kreativen Verarbeitung des Erlebten. Die bereichernde und beglückende Begegnung gab uns Gelegenheit einen besonderen Menschen kennenzulernen. Er gab uns Anteil an seinem Leben und der liberalen Gestaltung seines wiedergefundenen Jude-Seins in der heutigen Welt und Gesellschaft. So gab er der Geschichte des 20. Jahrhunderts und der Stadt Berlin, die wir mit all ihren Facetten geniessen durften, ein besonderes und beeindruckendes Gesicht!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 29-30/14

Dasein und Zuhören

Immer öfter lesen wir in der Zeitung am Ende eines Artikels über einen Unglücksfall: «Es war ein Careteam im Einsatz.» Seit einigen Jahren bin ich Mitglied im CareTeam des Kantons Zug und seit gut einem Jahr bin ich sein Fachlicher Leiter.

Ein Careteam und sogenannte Caregiver kommen dann zum Einsatz, wenn Menschen eine akute Belastungssituation erleben, die sie momentan überfordert und sie vielleicht sogar längerfristig belasten könnte. Diese sogenannte traumatische Erfahrung lässt sich etwas vereinfacht zusammenfassen mit: «zu viel, zu schnell, zu plötzlich».

Die zu betreuenden Menschen erleben also etwas Aussergewöhnliches und reagieren daher oft auch aussergewöhnlich. Sie stehen inder akuten Belastungsreaktion „neben sich“. Das kann die Betroffenen sehr verunsichern. Sie stellen sich auf Grund ihrer Reaktionen oft selbst in Frage.

Die Aufgabe der Caregiver besteht darum vor allem darin, die Menschen in dieser Situation nicht allein zu lassen und die Betreuten zuhörend zu begleiten. So können sie formulieren, was sie erlebt haben und was das in ihnen auslöst. Für die allermeisten Betroffenen ist das der erste und wichtigste Schritt zu einer selbstständigen weiteren Bewältigung des Erlebten.

In diesen besonderen Situationen wird offenbar, was Menschen ganz grundlegend benötigen: Jemand der da ist und einfach zuhört!

Das Fest Taufe Jesu und unsere Taufe

«Fürchte dich nicht,
ich habe dich beim Namen gerufen,
du bist mein.» (Jes 43,1)

Wo immer Menschen sich neu erfüllen lassen von Gottes Atem (Geist), sich neu orientieren am Leben und an der Gerechtigkeit, realisiert sich Gottes Zusage an Jesus neu an jede/n von uns:
Du bist mein geliebter Sohn!
Du bist meine geliebte Tochter!

Kategorie: Allgemeines
Erstellt von: ra

«Fürchte dich nicht, ich habe dich beim Namen gerufen, du bist mein.» (Jes 43,1) Diese Zusage erhalten wir bei der Taufe. Sie gilt letztlich jedem Menschenkind. Denn jeder Mensch ist ein Individuum, das sich durch seinen Namen auszeichnet. Und kein Mensch gehört jemand anderem als dem Leben, dem wir auch «Gott» sagen.

Johannes der Täufer predigt im Umfeld Jesu Umkehr, neue Hinwendung zu Gott, seinem Willen zum Leben und zur Gerechtigkeit. Er hat die Menschen daran erinnert, dass Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe alleine nicht genügt. Zuwendung zu Gott, zum Leben, muss sich immer auch in einer bestimmten Lebenspraxis zeigen.

Jesus kommt zu ihm und lässt sich taufen. Damit signalisiert er selbst in seinem Leben einen Wendepunkt und Neuanfang. Beim Auftauchen aus dem Jordan strömt der Atem befreiend und weitend neu in seine Lungen, so wie sie sich bei der Geburt ein erstes Mal gefüllt haben. Der Himmel öffnet sich, Gott ist spürbar da und spricht: «Das ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Gefallen gefunden».

Wo immer Menschen sich neu erfüllen lassen von Gottes Atem (Geist), sich neu orientieren am Leben und an der Gerechtigkeit, realisiert sich diese Zusage neu. Gottes Zusage an Jesus richtet sich an jede/n von uns:
Du bist mein geliebter Sohn!
Du bist meine geliebte Tochter!

Von jedem Einatmen werde ich neu belebt und gestärkt.
Ich erfahre Liebe und das Geschenk des Lebens.
In jedem Ausatmen kann ich diese Liebe furchtlos weiter geben
im Dienst am Leben und an mehr Gerechtigkeit.

Pfarreiblatt Zug Editorial – 14-03

Tag des (religiösen) Friedens

Seit 1796 wird einmal jährlich landesweit gebetet, seit 1832 jeweils an einem festen Termin: dem dritten Sonntag im September. Dieser älteste eidgenössische Feiertag sollte gerade nach den konfessionellen Kämpfen von 1844 die gemeinsame Verwurzelung in der christlichen Tradition stärken.Die Gesellschaft hat sich gewandelt. Das ursprüngliche Anliegen war es, den Frieden zwischen den verfeindeten inner-eidgenössischen Konfessionen zu sichern. Heute weitet es sich sinnvollerweise aus. Die Sorge um den religiösen Frieden und die Integration im Sinn des Zusammenhalts der verschiedenen kulturellen und religiösen Gruppen der Gesellschaft können heute im Zentrum stehen.

Danken
für unser geburtliches Privileg in diesem Land und seinen menschen- und lebensfreundlichen Strukturen geboren zu sein.
Uns darum auch nichts darauf einbilden, sondern es als eine besondere Verantwortung zum Teilen unseres finanziellen und politischen Reichtums wahrzunehmen.

Büssen
verstehen als neues sich Hinwenden und sich Ausrichten auf Gott. Oder in einer säkulareren Sprache: sich Ausrichten auf die guten Kräften des Wachsens und Lebens.
Uns darum nicht mitreissen lassen von Menschen verachtenden Parolen, die nur Missbrauch sehen und Politik machen auf Kosten der Schwächsten und Hilfebedürftigsten. Vielmehr das Gute und Starke wahrnehmen und fördern zum Wohl der Gemeinschaft.

Beten
um Kraft und Mut, den ersten Schritt auf einander zu immer wieder neu zu wagen.
Uns darum auf unsere eigene Bedürftigkeit und Friedenssehnsucht besinnen. Gemeinsame Schritte auf Frieden hin tun im Wissen, das Friede letztlich ein Geschenk bleibt.

Machen wir gemeinsam etwas aus dem Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag!

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 13-38

Pfingst-Wunder

Pfingsten ist ein Plädoyer gegen Einheitlichkeit, gegen Emotions- und Erfahrungslosigkeit!

An Pfingsten feiern wir das Erlebnis der Freunde und Freundinnen Jesu, das sie aus der Ängstlichkeit im verschlossenen Raum hinausgeführt hat. Sie sind be-GEIST-ert ( Apg 2,4) auf den Marktplatz gegangen. Und sie haben von ihren Erlebnissen mit Jesus und ihrem daraus erwachsenen Glauben erzählt.

Die Bedeutung einer  Botschaft bestimmt letztlich immer der/die Empfänger/in. Davon geht die Kommunikations­theorie heute aus. Darum ist das Missverständnis eher der Normalfall und Kommunikation gelingt mehr nicht als dass sie gelingt.

So können wir in dieser pfingstlichen Erzählung mit gutem Gewissen von einem Wunder sprechen, denn: Kommunikation gelingt! Die Botschaft kommt an: «Jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache sprechen» (2,8)  und verstand.

Zwei Elemente sind mir an dieser Geschichte wichtig geworden:

Kommunikation kommt an, wenn sie von Begeisterung getragen ist. Der emotionale Anteil in der Kommunikation darf nicht unterschätzt werden. Hirnforscher Gerald Hüther spricht immer wieder davon, dass intensive positive Emotionen (Freude und Begeisterung) Menschen beim nachhaltigen Lernen unterstützen, ja ihnen dieses erst ermöglichen. Und Lernen ist letztlich einfach eine besondere Form von Kommunikation.

Vielfältige Kommunikation hat grössere Chancen anzukommen. Die Freundinnen und Freunde Jesu sprechen in unterschiedlichen Sprachen «wie der Geist ihnen eingab» (2,4). Das schafft für die Zuhörenden verschiedene Zugänge zur zentralen Aussage: Angesichts der Auferstehungserfahrung mit Jesus umzudenken (2,37) und mutig auf Träume und Visionen zu vertrauen (2,17-18). Das Gesagte wird von jedem/r in der je eigenen Sprache verstanden.

Pfingsten ist ein Plädoyer gegen Einheitlichkeit, gegen Emotions- und Erfahrungslosigkeit!

Pfingstliche Menschen und pfingstliche Kirche werden wir, wenn wir begeistert von der Erfahrung reden, die uns bewegt und andere auf vielfältige Art und Weise dazu einladen!

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 13-21

Bescheidenheit

Wahrheit kann sich nur zeigen. Sie ist einsichtig, oder sie ist nicht. Wer Wahrheit mit Autorität begründen muss, gesteht indirekt ein, dass sie nicht aus sich selber überzeugt!

Darum braucht es so etwas wie «theologische Bescheidenheit» und Dialog.

Unser neuer Papst Franziskus lebt Bescheidenheit vor. Er nimmt Bus statt Limousine, legt die Prachtsstola nur zum Segnen an und lässt davor geneigten Hauptes die Men­schen für sich beten. Er nennt sich statt «Oberhaupt der Weltkirche» einfach «Bischof von Rom» und grüsst die Menge auf dem Petersplatz ausschliesslich in italienischer Sprache. Mir gefällt die offensichtliche Orientierung an seinem Namenspatron, dem Armen-Heiligen Franziskus von Assisi. Mir gefallen die deutlichen Zeichen, die er setzt, seine Bescheidenheit im Amt zu markieren. Auch wenn uns das als reiches Land noch ziemlich herausfordern und wir uns auch in den Pfarreien sicherlich eine Scheibe davon abschneiden könnten!Was ich mir darüber hinaus (nicht nur vom Papst) auch erhoffe, ist so etwas wie «theologische Bescheidenheit». Die Katholische Kirche sieht sich traditionellerweise als Hüterin, um nicht zu sagen Verwalterin der Wahrheit. Dies beinhaltet die Vorstellung, dass die Wahrheit irgendwie abgegrenzt, in eine Schachtel gepackt und weiter gegeben werden kann.

Meiner Meinung nach kann sich Wahrheit nur zeigen. Sie ist einsichtig, oder sie ist nicht. Wer Wahrheit mit Autorität begründen muss, gesteht indirekt ein, dass sie nicht aus sich selber überzeugt!

Von den Kommunikationswissenschaften lernen wir, dass die Bedeutung einer Botschaft immer vom Empfänger bestimmt wird. Dass das Gemeinte und das Verstandene einfach so übereinstimmen, ist daher eher unwahrscheinlich. Darin liegt auch der Grund, dass Kommunikation öfter miss­lingt als gelingt und dass Missverständnisse eigent­lich der Normalfall sind.

Einer auch theologisch beschei­denen Kirche stünde es daher gut an zur Wahrheits-Suche einzuladen und die eigenen Deuteangebote als Angebote in einem Dialog zu verstehen. In einem Dialog, der sich aus der Vielfalt der Erfahrungen nährt und sich als Dienst am Prozess der Wahrheitssuche versteht. In diesem Prozess haben wir  als Katholische Kirche in aller Bescheidenheit auf jeden Fall auch etwas beizutragen!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 13-04

Königlich

In der Taufe wird jede/r (wie ein/e König/in) gesalbt. Damit wird sein/ihr Anteil an einer unverlierbaren menschlichen Würde ausgedrückt, die zugleich eine messianische (weltverändernde) Würde und Verantwortung ist!

Seien wir in diesem Sinn königlich!

Bei Lukas wird erzählt von der Geburt Jesu bei einer Futterkrippe nach vergeblicher Herbergssuche und von den Hirten als ersten Zeugen. So wie die Menschen Jesus als Erwachsenen erlebt haben, so war er «von Anfang an»: er stellt die Werteordnung auf den Kopf und stellt die ins Zentrum, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt worden sind: Arme, unreine Hirten und Kranke, Zöllner, Frauen…

Matthäus hingegen erzählt von «Magiern aus dem Osten», die einen Stern haben aufgehen sehen, der für sie die Geburt eines neuen Königs angekündigt hat. Die drei wertvollen Geschenke zeigen Jesus als den erwarteten Messias: den messianischen König (Gold),  Heiler  oder «Heiland» (Myrrhe als Heilpflanze) und zukünftigen Hohepriester Israels (Weihrauch).

Aus ihnen wurde später auf eine Dreizahl der Besucher aus dem Osten geschlossen und sie wurden selber zu Königen. Sie repräsentieren später auch die drei Menschenalter: Kind, Erwachsener, Greis oder die Herkunft von den damals bekannten drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika: Jesus wird Bedeutung für jedes Alter und für die ganze Welt gegeben.

Wie bei allen Ursprungsgeschichten, die wir uns um Weihnachten erzählen, geht es bei diesen Schilderungen nicht um historische Fakten, sondern um rückblickende bildhafte Deutungen der Be-Deutung Jesu für uns und für die Welt.

Beim Dreikönigskuchenessen kann jede/r König/in werden. Das zeigt etwas zentral Christliches: Christus, der gesalbte Messias und Mensch gewordene Gott, gibt (quasi demokratisierend) allen Menschen messianische Würde (als König, Profetin, Heiler und Priesterin). Darum wird in der Taufe jede/r gesalbt. Damit wird sein/ihr Anteil an einer unverlierbaren menschlichen Würde ausgedrückt, die zugleich eine messianische (weltverändernde) Würde und Verantwortung ist!

Seien wir in diesem Sinn königlich!

Pfarreiblatt Zug Kolumne 13-02

Wir teilen die Luft zum Atmen!

Das Wort Jahwe, der heilige jüdische Namen für Gott, bedeutet ‚Ich bin’. Im jüdischen Volk durfte er nicht ausgesprochen werden, er war buchstäblich unaussprechlich… Die für das Wort Jahwe verwendeten Konsonanten (JHWH) gestatten es nicht , beim Sprechen die Lippen zu schliessen oder die Zunge zu benutzen. Der heilige Name Jahwe ist also ein Versuch, das Geräusch des Ein- und Ausatmens nachzuahmen  und wiederzugeben!
Im Kanton Zug gibt es seit 2008 das Forum der Religionen. Es wird getragen von den Landeskirchen und lädt zum Dialog ein, indem jedes Jahr ein bis zwei öffentliche interreligiöse Veranstaltungen organisiert werden.Jeweils Anfang November findet die Woche der Religionen statt. Am 6. November laden wir in ihrem Rahmen um 20.00 Uhr in der Reformierten Kirche in Zug zusammen mit der CityKircheZug ein zur «Feier der Religionen». Angelehnt an den Zyklus zu den vier Elementen der Katholischen Kirche an der Zuger Messe geht es dieses Jahr auch bei uns um das Thema «Luft».

Mich inspiriert dabei die Geschichte, die Richard Rohr in seinem neuesten Buch «Entscheidend ist das UND: Kontem­plativ leben UND engagiert handeln» erzählt (ab S. 49):

«Ich (lernte) von … einem jüdischen Naturwissenschaftler, der zu gleich Rabbi ist, etwas, das mir während meines ganzen Studiums der hebräischen Heiligen Schrift entgangen war. Das Wort Jahwe, der heilige jüdische Namen für Gott, bedeutet ‚Ich bin’. Im jüdischen Volk durfte er nicht ausgesprochen werden, er war buchstäblich unaussprechlich… Der jüdische Naturwissenschaftler wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die für das Wort Jahwe verwendeten Konsonanten (JHWH) es nicht gestatten, beim Sprechen die Lippen zu schliessen oder die Zunge zu benutzen. Der heilige Name Jahwe ist also ein Versuch, das Geräusch des Ein- und Ausatmens nachzuahmen  und wiederzugeben!

Vielen Zuhörern kamen die Tränen, als er fortfuhr und ihnen die Augen dafür öffnete, was die grossen Meditationslehrer schon immer betonen: Gott kann in keinerlei Form von Wörtern gefasst werden, die wir im Griff hätten, oder mit Vorstellungen, die wir formulieren könnten. Gott ist vielmehr wie die Luft, der Atem, der Geist vor unserem Mund… Luft. Atem, Wind und Geist sind immer über uns hinaus und dennoch völlig um uns, in uns und jenseits von uns. Wir haben alle gleichermassen daran Anteil. Wir alle atmen die gleiche Luft und dennoch empfängt sie jede und jeder von uns ganz persönlich.

Es gibt keine speziell afrikanische oder amerikanische Art zu atmen. Hindus und Christen atmen die gleiche Luft. Diese Erkenntnis verändert das gesamte Gebetsleben und die Fähigkeit, für Gott präsent zu sein.»

Spüren Sie einfach einmal mit diesem Gedanken für eine Minute Ihren Atem…

Pfarreiblatt Zug Kolumne – 12-45