Archiv der Kategorie: Pfarreiblatt-Kolumnen

Einladung zur Karfreitagsliturgie

Jesus wird nach dem gemeinsamen Pessach-Mahl gefangen genommen.
Er ist nicht mehr bei seinen Freundinnen und Freunden.

Am Hohen Donnerstagabend am Ende der Erinnerungsfeier zu diesem letzten Abendmahl wird die Kirche leergeräumt. Aller Schmuck und alle liturgischen Kerzen werden hinausgetragen. Alle Bilder von Jesus und die Hoffnungen, die damit verbunden waren, sind weg. Die Leere des Kirchenraumes steht für die Leere im Inneren der Freundinnen und Freunde Jesu.

Wo beim jubelnden Einzug am vorangegangenen Palmsonntags in Jerusalem noch bunte Bilder der Hoffnung auf Jesus aufleuchteten, ist alles leer. Jetzt wird das Kreuz sichtbar, die Realität seines Leidensweges. Die Geschichte nimmt ihren Lauf…

Am Karfreitag treffen wir uns in der Kirche,
…um uns gemeinsam dem Leiden Jesu zu stellen.
…um uns gemeinsam dem Leiden in der Welt zu stellen.
…um uns gemeinsam dem Leiden der Erde, unseres Planeten zu stellen.
…um uns gemeinsam der Realität des Todes zu stellen.

Wir verbinden uns mit dem Leiden in der Welt. Wir tun dies gemeinsam, weil wir glauben, dass Gott aus unserer Gemeinschaft wirkt, Gottes Geistkraft diese Gemeinschaft trägt und in ihr jede und jeden einzelnen.

Im Vertrauen auf Gott als tragenden Grund können und wollen wir den Weg mit Jesus und allen Leidenden gehen. Das düstere Zeichen des Kreuzes kann so zum Zeichen von Gottes Liebe werden.

Von Allerheiligen zu ALLES HEILIGEN

Editorial im Pfarreiblatt des Kantons Zug 44/45 2023

Heiligkeit heisst besonders, dem göttlichen Bereich zugehörig zu sein. In seinen Briefen bezeichnet Paulus die Angeschriebenen als Heilige. Menschen, die sich zu Christus bekennen und zur Kirche (ekklesía = die Herausgerufene) gehören sind für Paulus «heilig», sie gehören dem besonderen, göttlichen Bereich an.

Der heilige Bezirk im Tempel (und bis heute in der Kirche) bietet Schutz vor Verfolgung und Bedrohung. Das Asyl in Tempel und Kirche sichert die Heiligkeit des Lebens jedes einzelnen Menschen.

In «Laudate Deum» vom 4. Oktober 2023 schreibt Papst Franziskus nach «Laudato si» (2015) zum zweiten Mal ein Dokument zur Klimakrise und zur Bedrohung der planetaren Lebensgrundlagen. «Wir können nicht mehr daran zweifeln, dass …die ungewöhnliche Geschwindigkeit dieser gefährlichen Veränderungen …mit dem ungezügelten Eingriff des Menschen in die Natur in den letzten zwei Jahrhunderten zusammenhängen»14. Er schreibt, eine «erweiterte Sicht der Dinge» und schnelles Handeln sei daher dringend erforderlich. Franziskus ruft zur Verantwortung auf und betont: Der Mensch «muss als Teil der Natur betrachtet werden»26. «Alles ist miteinander verbunden, und niemand rettet sich allein»19.

Angesichts der fortgeschrittenen multiplen planetaren Krisen kann Allerheiligen uns daran erinnern, dass es darum geht ALLES zu HEILIGEN!

Zum Text von Laudate Deum: https://www.vatican.va/content/francesco/de/apost_exhortations/documents/20231004-laudate-deum.html

Klimagespräche haben Hand und Fuss

Fastenaktion und HEKS bieten weiterhin Klimagespräche an. An 4 Abenden trifft sich eine Gruppe von Interessierten (auch online). Im Begleitheft sind grundlegende Informationen gesammelt, in die sich die Teilnehmenden einlesen können. Am Abend selber wird in verschiedenen Formen am Thema gearbeitet.

Die Erderwärmung soll gemäss dem Pariser Klimaabkommen von 2015 auf «deutlich unter 2°C und möglichst nah bei 1,5°C» begrenzt werden. Dafür ist es notwendig den globalen CO2-Ausstoss in möglichst kurzer Frist auf netto Null zu reduzieren. Die Klimagespräche wollen Einzelne dabei durch fundierte Informationen und die Energie der Gruppe unterstützen.

Jede teilnehmende Person erfasst vorab mit Hilfe eines Online-Tools des WWF als Ausgangspunkt den individuellen ökologischen Fussabdruck (wwf.ch/de/nachhaltig-leben). Dieser zeigt, wie stark der persönliche Lebensstil den Planeten generell und die Atmosphäre mit CO2 belastet.

Als ökologischer Handabdruck wird auf der anderen Seite das bezeichnet, was Menschen mit ihren Handlungen und ihrem Engagement an positiven Wirkungen im Hinblick auf die verschiedenen ökologischen Krisen beitragen. Die Gespräche helfen dabei den individuellen Fussabdruck zu reduzieren und motivieren den jeweiligen Handabdruck zu vergrössern.

Melden Sie sich für eine andere Auferstehungserfahrung an! sehen-und-handeln.ch/klimagespraeche

Nur Geschichten…

Die biblische Schöpfungserzählung macht uns ein Deutungsangebot über die grundsätzlichen Gegebenheiten unseres Seins. Sie erzählt eine Geschichte in der Vergangenheit, um die Zukunft zu prägen.

Da wird von Gott aus dem «Erdboden», hebräisch «Adamah», «Adam», als der «Erdling» geschaffen. Adam steht für die Menschheit als Ganzes. Die Menschheit ist gemacht aus dem Stoff des Gartens, der sie gleichzeitig umgibt und ihr Heimat gibt. Sie erhält den Auftrag diesen Weltgarten zu «bearbeiten» und zu «beaufsichtigen» (Ü: Bibel in gerechter Sprache). So soll ein langfristiges Miteinander ermöglicht werden. Der biblische Gründungsmythos verortet uns Menschen als Teil der Natur, mit besonderer Begabung und darum besonderer Verantwortung im (Lebens-)Raum und durch die Zeit. Eine Geschichte, die erzählt wie die Welt sein könnte.

Das Bild, das ich mir von Welt und Mensch mache, die Geschichten, die ich mir über sie erzähle, prägen meinen Blick darauf. Meine Sichtweise wird auch mein Handeln und Nicht-Handeln und damit die Welt, die ich mitgestalte, bestimmen.

Wir können uns sollen uns entscheiden, was für Geschichten wir uns heute gegenseitig erzählen. Von welchen Geschichten wollen wir unsere Welt prägen und gestalten lassen? Welche Geschichten können uns heute Orientierung für eine lebenswerte Menschheitszukunft geben? Und: Was wünschen Sie sich für eine Geschichte, die künftige Generationen über uns erzählen werden?

Christkönig – Gipfel der Bilderreise durch das Kirchenjahr

Kolumne im Pfarreiblatt des Kantons Zug 46/47 – 2021

Am Christkönigssonntag gipfelt das Kirchenjahr nach einer bewegten Bilderreise, die uns durch Jesu Leben über Berg und Tal mitnimmt:

Als despotischen Mordabsichten ausgesetztes Kleinkind beginnt er und entkommt nur dank Flucht seiner Eltern ins nahe Ausland. Er kehrt zurück. Wächst in relativer Stille auf. Ist inspiriert vom zerzausten Gerechtigkeitsprofeten Johannes. Wird nach dessen Tod und einer Auszeit in der Wüste selber zum Lehrer, der Gerechtigkeit für die Kleinen in die Mitte stellt und in alltäglichen Bildern Gott als sorgend und nah (wie ein Vater oder eine Mutter) beschreibt. Menschen ändern ihr Leben und folgen ihm begeistert nach. Die geistige und politische Machtelite seiner Zeit, die auch den Zugang zum Tempel und damit zum Göttlichen kontrolliert, schafft den unbequemen Störefried beiseite. Als Verbrecher am Kreuz. Doch auch der Tod bringt ihn und seine befreienden Ideen nicht zum Schweigen.

Er und seine Botschaft lebt und wirkt neu und anders weiter in der Gemeinschaft, die sich auch über seinen Tod hinaus in seinem Namen trifft und das Leben miteinander teilt. Für sie ist und bleibt er machtvoll, wie die grösste Macht, die sie sich in ihrer damaligen Welt vorstellen konnten: Ein messianisch göttlicher König – der jetzt in ihnen und durch sie einsteht für das Leben, Gerechtigkeit und die Ermächtigung der Ohnmächtigen: Christkönig.

Zeit für ein ökologisches Pfingsten

Kolumne im Pfarreiblatt des Kantons Zug 20/21 – 2021

Petrus zitiert im Pfingstbericht (Apg2) den Profeten Joel: Gott will «Geistkraft ausgiessen auf alle Welt». 

Nur so erhalten wir (auch heute wieder) einen Blick für die Zukunft: Junge Leute schauen Visionen und Alte träumen Träume. Auch die Unterdrückten werden von der Geistkraft erfüllt, so dass sie prophetisch reden. Profetinnen und Profeten sind nicht Vorhersager:innen. Sie sind Hervorsager:innen (sagte einst Prof. Ivo Meyer). Sie weisen auf wichtige und brennende Fragen hin! Sie beharren darauf: Eine andere Welt ist möglich! Wandel ist notwendig! 

Pfingsten ist das Gegenbild zum Turmbau zu Babel: Statt übermütig ohne Ende in den Himmel zu wachsen und uns Menschen selber zu vergötzen, soll uns erdverbundene Bodenständigkeit bergen auf dem alle gemeinsam tragenden Planeten. Unser Mutter-Planet verdankt sein Leben einer Kraft, die alle und alles verbindet: Liebe – auch bekannt als Gott. 

Liebe und Verbundenheit heisst (nicht nur) im Pfingstbericht: Verstanden werden – Betroffen und gemeint sein – die Sprache der anderen verstehen – das alle Verbindende wahrnehmen – eine Vision für die Zukunft haben – egal wie alt du bist – über Generationen und auch soziale Grenzen hinweg – auch über die Grenzen der Arten und Lebensformen hinweg: Verbundenheit von Menschen, Tieren, Pflanzen, der Erde, allen Elementen – allem was ist. Pfingstlich wirkende Geistkraft! 

Christkönig

Kolumne im Pfarreiblatt des Kantons Zug 49/50 – 2019

Der letzte Sonntag im Kirchenjahr ist der Christkönigssonntag. Christus, «der Gesalbte», wird als König gefeiert. Salbung war zu biblischen Zeiten neben der priesterlichen und profetischen auch die Form der königlichen Amtseinsetzung. Ein König oder eine Königin sind eingesetzt ihren Herrschaftsbereich zu gestalten, gestalterisch wirksam zu werden.  

Es gibt gute Königinnen und es gibt böse Tyrannen, oder umgekehrt. Problematisch ist nicht einfach ein Amt, sondern immer die Art und Weise seiner Ausübung. In der Bibel, auch von Jesus, werden Hirte und König oft als Motiv genutzt, um zu zeigen, was einen guten König ausmacht. Der gute Hirt kümmert sich um die Lebensbedürfnisse seiner Schafe und auch um das «verlorene Schaf». 

Christus, der «göttliche Mensch», bildet das göttliche Königtum, das «Gottesreich», in der Welt ab. Und der Gott Jesu ist kein Despot. Dieser Gottkönig zählt nicht auf die Kraft von Gewalt und Unterdrückung. Dieser Gott ist ein Ermöglicher und ein Ermächtiger, der in der Schöpfung zur Welt kommt und sich in der Menschwerdung auf Augenhöhe begibt.  

In der Taufe werden wir nicht nur mit Wasser übergossen, sondern auch auf Christus gesalbt. Christus als Christkönig lädt uns ein, im Dienst des Lebens, der Gleichwertigkeit und der Gerechtigkeit zu wirken. So können und sollen wir selber königlich, nach unseren Möglichkeiten ‘wirkmächtig in der Gestaltung der Welt’, Christ und Christin zu sein! 

Blickrichtung

Wir feiern Himmelfahrt. Am Ende des Markusevangeliums und am Beginn der Apostelgeschichte heisst es: Jesus wurde „in den Himmel aufgenommen“. Das ist nicht als Orts- sondern als Qualitätsangabe zu verstehen. Nicht wo er lebt, wird gesagt, sondern auf welche Art und Weise. Er ist bei Gott, im grösseren Zusammenhang des göttlichen Bereichs, eben im Himmel, zu Hause.

Nun sagt aber der Engel: „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?!“ Wir werden zu einem Perspektivenwechsel aufgefordert. Jesus ist nicht mehr da wie vorher. Seine Freunde sind herausgefordert ohne ihn zurecht zu kommen. Wir als „Hinterbliebene“ sollen nicht nur fasziniert auf ihn starren und unsere Hoffnung nicht mehr auf den heiligen Übermenschen zu projizieren.

Das Bild von Himmelfahrt lädt uns ein, uns von unseren Abhängigkeiten und Gurus zu lösen. Wir müssen Jesus in unserem inneren Osterdrama ganz bewusst sterben lassen. Wir verlieren dadurch zwar (scheinbare) Sicherheit. Im Zuspruch der Geistkraft (an Pfingsten), durch die Gott in uns wirken will, gewinnen wir dafür eine Freiheit, die – auch durch uns – neues Leben möglich macht. Uns wird zugetraut, auf eigenen Füssen zu stehen! Gott ist und bleibt auf (immer) neue Art präsent!

Auffahrt fordert uns heraus Jesus loszulassen, uns neu einzulassen auf den auferstandenen Christus und bewegt von pfingstlicher Geistkraft selber in der Welt Verantwortung für seine Vision zu übernehmen.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 21-22/17

Glauben an Christkönig

„Was glauben Sie eigentlich?!“ Dieser Ausruf, aus Empörung ausgesprochen, bringt für mich auf den Punkt, was mit Glauben gemeint ist. Die Frage nach dem Glauben ist ganz grundsätzlich. Was sind die Grund-lagen und Grund-sätze, von denen ich ausgehe? Die Frage nach dem Glauben stellt die Frage nach meinem Grund, in dem ich wurzle und aus dem ich meine Kraft beziehe. Auf was vertraue ich?

Wenn ich Glaube als den Bereich des Nicht(mehr)wissens definiere, schaffe ich mir unnötige Probleme. Ich „muss“ dann glauben, weil ich mit dem Wissen nicht (mehr) weiter komme. Das birgt die Gefahr in sich, dass sich der Bereich dieses „Glaubens“ immer mehr verkleinert, je mehr das „Wissen“ zunimmt.

Ausserdem ist der Satz: „Das muss ‚man‘ halt Glauben…“ für mich gefährlich. Wer sagt mir denn, was ich glauben muss? Mit welchem Interesse? Glauben heisst Vertrauen und hat nichts mit Unterwerfung zu tun.

Christkönig ist das Fest am letzten Sonntag des Kirchenjahres. Bevor dann am Ersten Advent ein neuer Zyklus beginnt, wird noch einmal zusammengefasst und auf den Punkt gebracht, um was es geht. König ist Christus: Die verlässliche Macht, auf die sich zu vertrauen lohnt, ist Gott, der sich einlässt auf die Welt. Die Kraft, die die Welt verändern kann, ist nicht Gewalt oder Unterdrückung, sondern die göttliche Liebe, die sich in Schöpfung einlässt, die (auch in uns) Mensch wird.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 47-48/16

Das Weibliche in Gott – Gedanken um den 15. August

Die Schöpfungserzählung in Genesis 1,27 hält grundlegend fest: Gott vereint männlich und weiblich in sich. Genauso wie die Menschen, die nach seinem/ihrem Bild geschaffen sind.

Unsere Sprache nötigt uns, grammatikalisch zu entscheiden, ob wir von Gott als «er/sie/es» sprechen. Theologisch ist klar, dass keines der Pronomen allein dem Göttlichen als allumfassend und allverbindend wirklich gerecht wird.

In der christlichen Theologie reden wir darum von einem vielfältig-einen (trinitarischen) Gott. Problematisch ist nur, dass diese Vielfalt nun auch wieder mit einem Männer Trio oder mindestens Duo mit Ergänzung beschrieben wird: Vater, Sohn und Geist.

Bei der Geistkraft allerdings kann sich das  Gottesbild schon etwas erweitern, wenn wir auf seine Wurzeln zurückgehen. Ruach (Atem) oder Schekhina (Nähe Gottes) sind in der hebräischen Bibel beide grammatikalisch schon mal weiblich.

Im Rückgriff auf die anfangs erwähnte Genesis-Stelle wird auch der Schöpfer-Gott nur adäquat als Vater und Mutter beschrieben werden können.

Christus als Sohn und «Erlöser», eröffnet uns ein neues Menschsein in der «Gotteskindschaft». Er ist in Jesus in einer patriarchal geprägten Kultur aufgetreten und wäre darin als Frau wohl kaum gehört worden. Sein Modellcharakter für das Menschsein lässt sich aber nicht auf Männer zu beschränken.

Das Dogma der «Aufnahme Mariens in den Himmel» (den göttlichen Bereich) lässt sich auch als Bestärkung der biblischen Aussage von der Weiblichkeit Gottes verstehen.

Pfarreiblatt Zug Kolumne 33-34/15